Archiv für Dezember 2006

Songkran oder Neu Jahr auf thailändisch

16/Dez/2006

Was war zwischen März 2001 und Juni 2001

Da war die Zeit noch ruhig und nicht Turbulent. Sie plätscherte eigentlich vor sich hin und keine größeren Vorkommnisse sind zu vermelden.
Darum werde ich diese Zeit mit den Erfahrungen dieser Tage auffüllen.

Songkran oder Neu Jahr auf thailändisch

Wir feierten am Freitag den 13 April 2544 das das buddhistische Neue Jahr somit gibt es ein langes freies Wochenende. Ich hatte von Freitag bis inklusive den nächsten Montag frei. Das Fest wird hier Songkran genannt. Eigentlich ist es ein Fest der Wasserspiele, den man feiert das die Trockenheit die seit November besteht bald vorbei sein wird und die Regenzeit beginnt.

Irgendwie kommt mir der Brauch den die Thais in diesem Zusammenhang haben sehr bekannt vor, aber beim besten Willen ich kann ihn nicht zuordnen.
Es ist Brauch hier, das die Jüngeren die Älteren um den Segen und ein gutes Neues Jahr bitten in dem Sie die Älteren mit Puder (in der Regel Kinderpuder) bestäuben und anschließend mit Wasser bespritzen. Es gibt auch die Kurzform, man mische das Zeugs vorher und beschmiere damit die anderen 🙂 Und zum segnen der Jugend schütten dann die Älteren, mindestens die doppelte Menge Wasser gefolgt von der gleichen Menge Körperpuder, den Jüngeren über den Körper.
Am Donnerstagabend kam ich vom Kunden „geduscht“ raus 🙂 Normalerweise wird da bis um 18:30 Uhr gearbeitet aber gestern war um 17:00 Schluss. Dann wurden draußen auf der Treppe zum Haupteingang 6 oder 7 Stühle aufgestellt auf denen dann die Manager der Firma platz genommen haben und die gut 350 Mitarbeiter haben sich im Hof versammelt. Der Geschäftsführer (im Englischen Managing Director oder MD), ein Deutscher, saß ganz links und seine Stellvertreterin, eine Thai, als nächstes und so ging es die Führungsriege runter bis die Stühle voll waren.
Der MD hatte dann zu beginn nichts Besseres zu tun als einen Gartenschlauch zu nehmen und die Anwesenden „einzuweichen“. Das gehört aber zum Ritual dazu … zum Glück wusste ich davon und habe schon mal Brieftasche und Mobile-Phone in eine Plastiktüte gewickelt.
Nach etwa einer Stunde, waren alle Weiss im Gesicht – das Puder wird nur in das Gesicht gebracht – und nass bis runter auf die Haut, diesmal von außen, nicht von innen :-). Gestern war es auch noch relativ kühl – wir hatten nur mehr 34 Grad. Es sieht so aus, das der Wettergott die Regel auch kennt, das nach Songkran die Temperatur wieder auf 32 bis 33 Grad fällt. Denn die letzten Tage waren auch für die Thais grausam. Am Mittwoch hatten wir 40 und am Dienstag gar 41 Grad am Nachmittag, das ganze im Schatten.
Am Freitag habe ich mich dann gut bewaffnet in die Neujahrs Feiern gestürzt. Dazu habe ich mir erst mal eine große Wasserpistole besorgen. Sonst währe ich ja hilflos gewesen 🙂
Die Dusche am Abend hätte ich mir fast ersparen können :-))

Was ist das Songkran Fest eigentlich?

Soviel ich bis jetzt herausfinden konnte ist an diesem Vollmond der Jahreswechsel im Thai Jahr. Zwar rechnet Thailand seit dem 19 Jahrhundert mit dem westlichen Sonnenjahr, aber die Feiertage sind geblieben. Die zweite Funktion des Festes wird mit der Bitte nach Wasser erklärt. Durch die Feiern sollen die Regengeister dazu gebracht werden das die Regenzeit endlich beginnt. Dazu muss man vorausschicken, das zu diesem Zeitpunkt seit rund 5 Monaten kein Regen gefallen ist. In guten Jahren hat es vielleicht 10 Tage in diesem Zeitraum geregnet. Also alles – von der Pflanze bis zum Menschen dürstet, außerdem ist das der heißeste Monat im Jahr. Dieses Jahr hatten wir im April eine Durchschnittstemperatur von 42 Grad Celsius und Spitzen von bis zu 48 Grad Celsius, dadurch dass die Luftfeuchtigkeit aber nur bei rund 25% bis 30% liegt ist es ohne Probleme auszuhalten.

Der Monat Mai

Darüber ist nicht viel zu sagen, außer das ich keine Maiglöcklein gefunden habe. 🙂
Ansonsten war ich auf Wohnungssuche. Mein Mietvertrag von meiner alten Wohnung lief a) am 15/6/2544 aus und b) das Apartment war einfach zu teuer. 25000 Baht plus Strom und Wasser, dafür aber kalt, hat mir rund 50% meines Gehaltes vernichtet.
Also bin ich mit Bus und Taxi auf Wohnungssuche gegangen. Mein Interesse lag aber bei einem freistehendem Haus oder einem Shop-House.

Shop-House ? was ist das schon wieder wird sich der eine oder andere fragen. Um es kurz zu machen, es ist ein typisches chinesisches Geschäftshaus. Sprich im Erdgeschoss – hier der erste Stock – ist das Geschafft und oben drüber lebt der Eigentümer des Geschäftes mit seiner Familie. Warum das die Chinesen eingeführt haben ist sehr schnell und einfach erklärt. Wenn der Mitarbeiter zum Arbeitsplatz kommen muss, kostet das Zeit, die kann er nicht mit Arbeit verbringen und das wiederum widerstrebt dem guten chinesischen „Sklaventreiber“. Warum ich die Leute als Sklaventreiber bezeichne ist auch sehr schnell erklärt. Ein Chinese versucht ohne „Angestellte“ auszukommen. Es arbeitet nur die Familie und die darf das dann rund um die Uhr tun. Gehalt gibt es keinen, da ja nicht angestellt. Soweit alles klar bei euch??? oder hoehre ich da Geraune im Saale?
Jedenfalls mit Hilfe eines guten Bekannten fand ich dann Ende Mai endlich ein Haus. Die Lage fand ich auf Anhieb gut und die Entscheidung für das Haus fiel eigentlich in 5 Minuten. Als dann bei dem Gespräch mit dem Vermieter auch der Preis noch stimmte – jetzt liegt die Miete nur bei 8500 Baht im Monat – war die Sache für mich eigentlich erledigt. Damit war – ich wusste es nur noch nicht – auch mein zukünftiges Schicksal besiegelt. Aber davon gibt es die nächsten Seiten mehr zu lesen. 
Minburi – mein neues Zuhause

Eingezogen bin ich am 10 Juni 2544 (2001) .

Minburi (มีนบุรี) ist aus deutscher oder österreichischern Sicht ein Stadtteil von Bangkok. Die Thailänder sehen das – wie währe es anders zu erwarten etwas anders.  Hier kennt man keine Stadteile oder so, eigentlich nicht mal eine Stadt wenn man es genau nimmt. Denn im Thailändischen gibt es diese Begriffe nicht wirklich. Das Land wird schlicht und ergreifend in Provinzen unterteilt. Jede Provinz wird in mehrere Amphoe’s (Landkreise oder Bezirke) unterteilt, „Hauptstadt der Provinz“ heißt genauso wie die Provinz, in diesem Fall wird dann der dem Namen der Begriff Muang beigefuegt umd damit die Stadt zu bezeichnen, eigentlich ist das in unserem Sinne die Provinzhauptstadt. Als Beispiel um in Bangkok zu bleiben, die Provinz heißt Bangkok, die Amphoe heißt Minburi und die oder das Muang heißt auch Minburi. Jede Amphoe ist wieder rum unterteilt in mehrere Tambon’s. Im weiterem ist dann in jedem Tampon mehrere bis viele Mooban’s (auch Dorf genannt). Als Beispiel möchte ich hier meine aktuelle

Adresse aufzuschlüsseln:
Provinz: Saraburi
Amphoe: Kaeng Khoi
Tampon: Tantiau
Mooban: Moo 6 Thienthong (das Moo steht für Mooban)

oder aber die alte Adresse:

Provinz: Bangkok
Amphoe: Minburi
Tampon: Seab Sean
Mooban: Moo 14 Forest Park Village

Ich muss hier anmerken, dass die Ausspracheregeln dem thailändischen Englisch entsprechen. Sprich das Mooban wird im Deutschen zu Muhban und Kaeng zu Gaeaeng. Alle doppelten Buchstaben werden länger im Ton gehalten.
Ja was soll ich sagen? Das Haus ist leer und ohne Möbel, was ein leeres Haus so an sich hat. Also fing ich an meine Mäuse für Möbel auszugeben. Den ersten Monat schlief ich noch auf einer „wie soll ich es nennen“ einer Art Matratze, die aber die Konsistent einer besseren Steppdecke hat. Nun auch dieser Monat ging vorbei und dann konnte ich mir auch ein Bett, einen Kleiderschrank und die Küchenmöbeln leisten. Den Küchentisch, die Stühle ein kleines Küchenregal sowie eine 2 flammige Gastherme habe ich wohl oder übel in den ersten Tagen gekauft. Schließlich will der Mensch ja wo sitzen und kochen wollte ich auch. 🙂
Am Tag des Einzuges habe ich die Bekanntschaft mit einem Thai Nachbarn gemacht der recht gut Englisch spricht und für die Firma arbeitet der das Haus gehört  kommt immer gut…. Er hat mir viel geholfen, den wie gesagt, Singen war nie meine Stärke und das lernen von Vokabeln mochte ich noch nie, die Kombination aus beiden ist dann Thai 🙂
Wenige Tage nach dem ich eingezogen war habe ich einen von meinen Nachbarn kennen gelernt. Ein Schweizer oh schwitz  der mit einer Thailänderin – ihr Name ist Porn – verheiratend ist. Sie war zu dem Zeitpunkt aber schon 4 Monate in der Schweiz mit den Kindern damit sie und die Kinder deutsch lernen können. Wie auch immer und jedenfalls, Andreas, so heißt der Gute, lebt seit etwas über fünf Jahren in Thailand und hat hier eine eigene Firma. Außerdem besitzt er noch aus den Guten Jahren ein Haus in Saraburi und eine Farm in Chaijabum. Ruhe da draußen im Saale, ein Schelm ist er, der böses jetzt denkt. 🙂
Jedenfalls will es das Schicksal das er am Wochenende darauf zu seiner Farm fahren will. Ich bekomme das eigentlich nur mit, da er mir das Angebot gemacht hat, ich könne seine Waschmaschine benutzen und ich am Samstagvormittag nichts Besseres zu tun hatte als Wäsche zu waschen. Oder besser gesagt ich wollte es, habe aber sofort umdisponiert als mir angeboten wurde mitzufahren. Muss ich jetzt sagen „Warum musste ich Esel da gerade waschen wollen“ oder heißt das anders „Zum Glück habe ich Wäsche waschen gewollt“?? oder ist das sowie so alles nur Schicksal und höherer Wille bei dem wir nicht mitzureden haben??? Das warum folgt auf den nächsten Seiten, also schön weiterleben 
Also wir machten uns kurz vor Mittag auf dem Weg zu seiner Farm. Sie liegt rund 400 km nördlich von Bangkok. Erst mal ging es durch die nördlich Amphoe von Bangkok – Lam Luk Ka – es ist schon interessant was noch zur Stadt gehört, ich hätte das eigentlich nicht mehr zur Stadt gezählt, da es außer aus Reisfeldern und Bananenhainen nur mehr aus leeren Dörfern besteht. Aber da kommt es ja wieder – Bangkok ist ja eine Provinz deren Provinzhauptstadt Bangkok heißt. Dann ist es verständlich warum es in der „Stadt“ so viele Felder und landwirtschaftliche Flächen gibt. Falls sich jemand fragt warum es so viele leere Dörfer gibt, dass ist ganz einfach erklärt: Der Herr Thai der 1997 die Wirtschaftskrise ausgelöst hat war der Meinung das noch so und so viele Millionen Menschen nach Bangkok ziehen werden. Darauf hat er überall Dörfer gebaut und dazu Grundstücke als Industriegrundstücke umgewidmet. Die Strassen dahin gebaut oder meist nur begonnen sie zu bauen, und dann wollte er schnell noch reicher werden und hat etwas an der Börse spekuliert. Dabei hat er sich verspekuliert und der Baht ist innerhalb von Stunden nur mehr etwas weniger als die Hälfte Wert gewesen. Damit aber auch sein eigenes Kapital und in weiterer Folge gingen seine Firmen Stück für Stück Konkurs, die eine oder andere Bank hat dann aus Solidarität auch gleich Konkurs angemeldet. Damit sind aber alle Projekte, die er begonnen hat, als Bauruinen übergeblieben. Die Moobans die er gebaut hat sind leer, da die Industrie nie die Grundstücke gekauft hat, da die Ausländer durch die hohen Verluste alle Investitionen gestrichen haben. Außerdem wie sollte die Industrie beliefert werden wenn die Strassen fehlen, die ja nie fertig wurden, da die finanzierenden Banken pleite waren.
Jedenfalls ist es schon interessant wenn man so durch einzelne Amphoe fährt und dann dies oder das als Hintergrundinformation mitbekommt. Die Gegend selber ist sehr flach. Bangkok liegt mit einer durchschnittlichen Meereshöhe von 75 cm etwas über der Wellengrenze. Die Hochhäuser sind da natürlich eine Ausnahme.

Auf der Strecke zur Farm werden wir einen Höhenunterschied von rund 200 Meter überwinden müssen. Aber die nächsten 120 km bringen uns durch flaches Schwemmland was vom Reisanbau und Großindustrie dominiert wird. Nach gut einer Stunde Fahrtzeit haben wir 10 Meter Seehöhe überwunden und kommen nach Saraburi. Andreas erzählt mir, dass er hier die Tochter seiner Schwägerin mitnehmen will. Sie will mit uns das Wochenende auf der Farm verbringen. In Saraburi waren wir noch kurz im Lotus Supermarkt einkaufen und dann ging es weiter nach Kaeng Khoi. Zu diesem Zeitpunkt sagte mir das alles nichts. Er fuhr da irgendwie in der Landschaft herum, irgendwie hatte ich das Gefühl „Jetzt bin auf dem Land gelandet“. Ich war ja vorher noch nie richtig aus Bangkok draußen gewesen, so war das für mich der erste Kontakt zum Land selber. Jedenfalls hält Andreas irgendwann vor einem Haus. Es war etwas größer als die umliegenden Häuser und er erklärte mir dass da ein Freund von ihm – auch mit dem Name Andreas – mit seiner Frau wohne. Um die Namen etwas zu Endbündeln werde ich – so wie hier üblich – Andreas (der Schweizer) weiterhin Andreas  und Andreas (der Deutsche) in Zukunft Andy nennen. Als wir die Tochter abholten, sah ich zum ersten Mal Khai – die Mutter von Siriwan und die noch Frau von Andy. Irgendwie – die Welt ist schon schlecht ich weis – ich dachte mir, wie üblich, nicht viel dabei, aber ich war irgendwie mit dem Schicksal am Hadern das immer die Frauen die mir gefallen würden, vergeben sind. Jedenfalls Siriwan haben wir eingeladen und dann ging es weiter. Ich hatte so im laufe der Fahrt den Eindruck, dass sie ist ein sehr ruhiges Kind sein müsse. Die ganze Fahrt über saß sie ruhig hinter uns und sprach sehr wenig, quengelte nicht rum so wie ich das von langen Autofahrten von anderen Kindern her kenne.
Andreas erzählte mir auf der Fahrt noch einiges über Andy seinem Leben und seiner Ehe beziehungsweise seiner Beziehungen. Worauf ich zwar schlauer war als zuvor, es aber meine Neugier noch mehr weckte. Jedenfalls nach weiteren 3 Stunden schöner und gemütlicher Fahrt, – wenn man von den Schlaglöchern absieht – durch eine wunderschöne Gegend die eigentlich mehr an Österreich oder die Schweiz erinnert, erreichten wir seine Farm. Als er von der Hauptstrasse in Richtung der Farm abbog war mir schlagartig klar warum er ein Vierrad getriebenes Fahrzeug brauchte. Es ging ab in… die Pampa. Ein schmaler unbefestiger Weg zwischen mannshohen Gräsern mit einem gutem Gefälle und kräftig ausgefahrenen Spurrillen. Alles rote Erde, soviel ich sehen konnte, also muss das auch einen gute Gegend für Landwirtschaft sein, dachte ich so bei mir. Jedenfalls nach rund weiteren 500 Metern fuhr Andreas wieder einen kleinen Hügel hinauf und wir waren am Ziel angekommen, seine Farm.
Das Haus, in landesüblicher Bauweise ausgeführt, das versprach zumindest einem Moskito freie Nacht.

Was soll man den unter landesüblicher Bauweise schon wieder verstehen? Ganz einfach; normale Häuser baut man hier sehr schnell und billig. Erst wird der Bauplatz abgesteckt, nach dem er mit der Hand (eine Schaufel ist erlaubt  ) einigermaßen eben gemacht wurde, dann werden die zukünftigen Wände mit einer Schnur markiert. Links und rechts von der Schnur – rund 10 cm Abstand dazu, werden Bretter in den Boden gerammt oder sonst wie so verankert, dass sie auf der Schmalseite stehen. Damit ist das Fundament für die Mauern vorbereitet. Diese Fundamentverschallung wird jetzt mit Baustahl ausgelegt und mit Beton aufgefüllt. Wenn der Beton hart ist, kommen die Bretter weg und der zukünftige Boden wird bis knapp unter die Fundamentoberkannte mit allem Möglichen aufgefüllt. Meist ist es irgendwelcher Bauschutt und grober Split / Kies was immer auch. Der Rest bis zur Fundamentobergrenze wird dann mit Beton – das soll wohl einen E-Strich darstellen aufgefüllt. Als Tragende Stützen werden dann Betonsäulen mit einer Seitenlänge von ca. 20 cm aufgesetzt. Auf diese Säulen kommt dann ein Betonträger der die Funktion des Deckenträgers übernimmt. Wenn nach diesem System das ganze Haus als Gerippe dasteht werden die Wände mit normalen roten Mauerziegeln hochgezogen, die Fenster und Türen natürlich werden freigelassen. Auf das ganze kommt dann ein Dach, die Wände werden verputzt und fertig ist das Haus. Wer wunder sich dann noch, wenn so ein Haus ohne Architekt und Baumeister für rund 200000 bis 300000 Baht zu haben ist. Beide werden aber sowieso nicht gebraucht, zuminderst nicht nach dem Gesetz. Die Bauarbeiter kosten in der Regel auch nicht viel – meist sind es Taglöhner die dann den Bau hochziehen. Die bekommen dann pro Tag rund 120 Baht bezahlt. Sollten es „echte“ Handwerker sein, sprich sie haben schon einige Häuser vorzuweisen, dann können sie auch mal 50 Baht die Stunde bekommen, das sind dann aber die Bauleiter. 
Soweit mal die Beschreibung wie hier Häuser gebaut werden, damit gibt es auch eine Vorstellung wie die Häuser aussehen. Aber was ist an einem „Thai Haus“ so speziell, außer das es meist nicht so aussieht wie geplant? Nun, die Moskitogitter vor allen Fenster und Türen .

Die Farm liegt am Ende eines Tales auf einer Anhöhe und ist daher von 3 Seiten von Bergen umgeben. Diese sind zwar nicht hoch, vielleicht 800 Meter oder so, aber immerhin. Die Berghänge sind dicht mit Urwald überzogen. Die Bäume stehen anscheinend im vollen Saft. Die Blätter tief grün, glänzen und funkeln wie poliert in der Nachmittagssonne zu uns herüber. Die Vögel machen einen solchen Radau, dass sie selbst hier noch hörbar sind. In den frühen Morgenstunden, so erzählte man mir, kommen immer die Affen raus auf Futtersuche zu gehen. Leider habe ich bis heute irgendwelche Affen hier frei rum laufen gesehen. Da der nahe Berghang, er ist ca. 1 km entfernt, und dicht mit Bambus bewachsen, deshalb macht sich der Schwager von Andreas auf dem Weg und geht frische Bambussprossen von dort hohlen.

Mir zeigte Andreas in der Zwischenzeit die Farm. Sie ist rein für den Hausgebrauch gedacht, da sie zur kommerziellen Bewirtschaftung zu klein ist. Andreas hat sie inzwischen in eine Baumschule umgewandelt und züchtet alle möglichen Obstbäume, aber auch etwas Reis und Chili für daheim. Er hat auch mehrere Teiche einer davon ist auch zum Baden geeignet, was wir natürlich bald ausnutzen werden, noch ist es, obwohl später Nachmittag, recht warm, so um die 36 Grad Celsius. Als wir so an den Reisfeldern entlang schlenderten, erzählt mir Andreas eine wunderbare Geschichte die erst nicht glauben wollte. Erst als ich darüber nachdachte vielen mir eine wissenschaftlichen Berichte über die Pussta – Ungarische Tiefebene – ein, und da wurde ähnliches berichtet, also scheint das ganze wohl Hand und Fuß zu haben.
Normalerweise denkt doch jeder wenn er an stehende Gewässer denkt, sofort an Moskitonester und stechende und plagende Ungeheuer. Weit gefehlt, die Reisfelder sind zwar, von der Wachstumsperiode abhängig, stehende Gewässer, aber es gibt kaum Moskitos. Aber das warum ist sehr erstaunlich. In den Reisfeldern leben Fische solange Wasser vorhanden ist. Soweit verstehe ich das ja noch alles, aber was machen die Fische wenn das Wasser abgelassen wird und warum spannen dann die Bauern Netze das die Fische nicht aus den Feldern können? Das ganze ist einfach und simple erklärt. Wenn das Wasser abläuft graben sich die Fische ca. 1 Meter in die Tiefe, da ist der Grundwasserspiegel und verfallen in einen Art Winterschlaf. In diesem Stadium verbleiben sie dann solange bis die Reisfelder wieder geflutet werden.

Abends gab es Somtam mit Reis, Reisnudeln mit allem möglichen dazu. Ich finde die erstaunten Ausrufe und verwundernden Blicke beim Essen immer lustig. Ich esse für einen Ausländer sehr scharf, sogar das einige Thais meinen es sei ihnen zu scharf, aber die Leute – es ist der Bruder von Khai mit seiner Frau – essen 10 mal so scharf als ich es vertragen kann. Das übliche Standard Getränk der Thais, der Whisky, durfte nicht fehlen. Somit ging der Tag nach einigen Stunden Essen und Trinken zur Neige und man begab sich mehr oder weniger schwer in sein Bett.

Leider mussten wir am nächsten Tag gegen 16 Uhr schon wieder zurückfahren.

Die nächsten Wochen in Bangkok gingen ohne nennenswerte Ereignisse vorbei. Inzwischen wurde es Anfang August.
Das einzige interessante was vorgefallen ist, war der Wechsel meines Arbeitsplatzes von Einer Firma zu einer Anderen. Da aber alles gleich blieb bis auf dem Managing Director, und die Arbeit, gibt es wohl nicht viel darüber zu erzählen. Und wenn, dann in einem getrennten oder späterem Artikel.
Ich habe mich in meinem Haus langsam eingelebt und die Möbeln soweit gekauft, dass ich gut darinnen leben konnte. Die Strasse außerhalb unseres Moobans ist immer noch eine große Baustelle und da es gerade Regenzeit ist, ist die ganze Strasse eine einzige Lehm und Sand Pfütze. Also versuchte ich am Morgen so sauber als möglich in die Firma zu kommen und am Abend so trocken als möglich. Jedenfalls macht so der Weg von und zu nach Hause keinen richtigen Spaß.
Andreas, mit dem ich seit dieser Fahrt, sehr oft zusammen gesessen bin, hat mir eines seiner beiden „Thai“ Motorräder geliehen. Nun ja, eine 125 ccm Maschinchen, wenn ich versuchte schneller als 60 km/h zu fahren, begann sich der Rahmen zu verwinden. Das Spiel gab ich auch bald wieder auf, aber einen knappen Monat habe ich es durchgehalten.
Aber jetzt wird das ganze erst interessant und auch etwas komplizierter, aber so ist es halt im leben.

Soviel für heute liebe Leser, ich hoffe das ganze hat etwas Spaß gemacht und die Fortsetzung kommt bestimmt 🙂

Das Schulsystem und was Thailand daraus macht

16/Dez/2006

Wenn ich so die aktuellen Nachrichten betrachte und auch die Ereignisse in meiner Universität dann kommt mir das Schulsystem Thailands immer ungesunder vor.

Warum wohl so wird sich mancher Leser fragen, wird ein Gesetz beschlossen das Schulen mit weniger als 100 Schülern geschlossen werden und mit großen Schulen zusammengelegt werden. Was ist die Absicht dahinter? Im Ersten Blick wird man sagen Kostensparen und Lehrer arbeitslos machen. Aber der Zweite Blick sollte uns eines besseren belehren, vor allem wenn man die Dorfstruktur am Land kennt.

Da ist ein Dorf mit 100 oder 300 Einwohnern, in 2 oder 3 km Entfernung noch eines und dann noch eines, 2 bis 5 solche Dörfer teilen sich dann eine Schule, die nächste große Schule ist. Vielleicht 15 oder 20 km entfernt.

Diese Schulen sollten geschlossen werden, die Eltern sollen den Schulbus zahlen, der ja nur etwa 5000 THB im ½ Jahr kostet, pro Kind wohl gemerkt. Die Schule kostet jetzt schon 500 bis 1000 THB im ½ Jahr pro Kind.

Und nun kommt das ganze Elend zum Vorschein, ein Bauer verdient vielleicht 40000 bis 60000 THB pro Jahr wenn er keine Grosse Tochter hat welche in einem Touristenzentrum noch Geld verdienen kann.

Da die Bauern alle viele Kinder haben, Kinder sind ihre Pensionsversicherung, die Schule und der Schulbus kostet Geld das er nicht hat. Also gehen sie nicht zu Schule, ach ja Schulpflicht besteht für die ersten 6 Jahre aber wenn man kein Geld hat macht es auch nichts wenn die Kinder nicht zu Schule gehen.

Und das Größte kommt noch, im Moment wird diskutiert und darum protestieren unsere Studenten, daß alle Schule Profitcenter werden. Kein staatlicher Zuschuß mehr, dann würden die Kosten für den Bauern von 500 THB im ½ Jahr auf 8000 bis 12000 THB ansteigen. Ja wie soll er das alles bezahlen?

Die Leute am Land verstehen großteils diese Nachrichten nicht da sie in Hochthai vorgetragen werden und das wiederum hätten sie in der Schule gelernt wenn sie eine besucht hätten. Diese Leute wählen aber die Regierung, da es die Mehrheit ist. Diesen Leuten gab der Letzte Premier Minister 100 THB vor jeder Wahl damit sie ihn wählten.

Es ist zwar verboten, darum war auch hinter diesen „Wahlhelfern“ die Polizei her. Sie ging aber immer in einem Gewissen abstand somit konnte sie anschließend von jedem Beschenkten 10- oder 20 THB als Strafe kassieren, den auch die Polizei ist ein Profitcenter in Thailand.

Soweit ein Kurzer Überblick über die Geschehnisse der ersten zwei Dezemberwochen in Thailand bezogen auf das Schulsystem.

Nun die Original Nachrichten darueber:

End of small schools?


The Nation

The Office of the Basic Education Commission (Obec) has completed a draft regulation for the merger or closure of small schools.

The draft is expected to affect at least 601 schools, 90 of which have not a single student enrolled.

Obec acting secretary-general Khunying Kasama Varawarn said the draft had been presented to the Basic Education Commission’s experts yesterday.

„The draft details the qualifications of the small schools that will be merged or permanently closed,“ she said.

According to the draft, the merging of some small schools is now possible because of improved transportation. The merging of schools will allow resources, including teaching staff, to be shared.

The draft also states that affected parents should have a say on whether schools should be merged and that prior announcements must be made before the merger takes place.

Kasama said Obec had previously conducted a survey of small schools and found that 601 of them should be closed down or merged with other schools. „But the number could be higher now,“ she said.

She said the schools to be closed down or merged were those that had very few students but was quick to add that such schools in remote areas would remain in operation because it would be difficult for children there to commute to other schools. „The Basic Education Commission also suggested that small schools with efficient management should be allowed to continue operating to serve as examples to other small schools,“ Kasama said.

 

 

Die hilflosen Kinder hilfloser Eltern

11/Dez/2006

Wenn von einer Familie in einer Kleinstadt gesprochen wird, denken viele Leute an ein kleines Häuschen mit einem Vorgarten, in dem zwei junge Leute sitzen, während zwei oder drei Kinder auf einem Rasen herumlaufen und vielleicht mit einem Ball oder mit einem Hund spielen. Eine Idylle, die wohl aus einem Bilderbuch stammt, denn die Wirklichkeit sieht anders aus. Oft ist sie so schlimm, daß sie in kein Bilderbuch paßt. Pok, Thong und Suwa hatten nie eine Chance für ein eigenes Leben. Ihre Lebensgeschichte war nicht idyllisch, sie wird nie in einem Bilderbuch stehen. Sie zeigt einen Aspekt des gesellschaftlichen Lebens, die abgestorbenen Gefühle in der fortgeschrittenen Gesellschaft, die Entfremdung des Menschen, den Wert, den man einem Menschen zuschreibt, die Anschauung, daß Kinder nicht zur Gesellschaft gehören, weil sie nicht nützlich sind, solange sie keinen Gewinn einbringen, und niemand wird darüber voller Stolz berichten. Man kennt diese Schicksale. Man hat kein Interesse, sich um fremde Kinder zu kümmern. Es ist viel bequemer, wenn man darüber schweigt.

Ihre Eltern kamen aus normalen Familien und wurden normal erzogen. Sie stammten aus Familien von Reisbauern, die nach und nach ihre wenigen Felder verkauften, um nicht zu verhungern. Bis sie nichts mehr hatten, kein Geld und keine Felder. Nur Hunger hatten sie, und Kinder, aber die bedeuteten ihnen nicht viel, denn sie hatten kein Gefühl für andere Menschen, hatten sie doch selbst nie Zuneigung erhalten und wußten nicht, was Wärme oder Liebe ist. Zudem hatten sie andere Sorgen. Kinder brauchte man im Alter, um versorgt zu werden. Aber bis dahin waren sie unerwünschte Esser, die Kosten verursachten und störten, den ganzen Tag lang störten, denn sie hatten kein Geld, ihre Kinder in eine Schule zu schicken, um ihre Ruhe zu haben. So geht es vielen Leuten im Isan, dem armen Nordosten Thailands, deshalb ist solch ein Leben dort normal. Deshalb spricht man auch nicht darüber, denn die Probleme anderer Menschen gehen einen ja nichts an. Wenn man sich zu sehr um arme Nachbarn und ihre Kinder kümmert, läuft man Gefahr, ihnen vielleicht auch noch helfen zu müssen.

Als die Eltern noch heranwuchsen und sich begegneten, sahen sie das erste Mal einen Menschen, der sie mochte, einen Menschen, der attraktiv war, sexuell anregend, und von dem sie glaubten, daß er ihnen helfen kann. Diesen Menschen wollten sie haben, denn sie hielten ihn für nützlich und brauchbar. Deshalb waren sie etwas nett zu ihm, damit er sie wollte und auch nett war. Da dieser Irrtum auf Gegenseitigkeit beruhte, sprachen sie von Liebe und heirateten einige Monate später. Sie zogen in ein barackenähnliches Holzhaus, das in einzelne Zimmer mit Kochecke und Toilette aufgeteilt war. Er war auf dem Bau beschäftigt und sie war nun Hausfrau. Nach der Hochzeit verbrachten sie die Abende zuhause und hatten viel Sex. Sie nannten das Liebe. Doch schon bevor Pok, der erste Sohn, geboren wurde, wußten sie, daß es keine Liebe war, weil ihr Ehepartner ihnen weder Zuneigung geben, noch helfen konnte. Es war für beide eine herbe Enttäuschung, als sie bemerkten, daß der Ehepartner sie nicht liebt, sondern nur erwartete, geliebt zu werden. Als Gemeinsamkeit hatten sie nur den Sex,, das einzige Gefühl, das sie geben konnten, und so kamen nacheinander Pok, Tong und Suwa, zwei Söhne und eine Tochter auf die Welt, die in ihren ersten Lebensjahren das Lieblingsspielzeug ihrer Mutter waren.

Säuglinge werden bei vielen thailändischen Familien emsig umsorgt. Doch wenn sie zu stören beginnen, so gegen Ende des dritten Lebensjahres, hört das auf, denn die Eltern haben über Erziehung keine weiteren Informationen als jene, die sie in ihrer eigenen Erziehung genossen haben. Das hat zur Folge, daß sie hilflos sind, ihre Kinder nicht verstehen können und nun beginnen, sich vor ihnen zu schützen, sich gegen sie zu wehren und oftmals auch, sie entsprechend ihren Wünschen zu nützlichen und profitablen Familienmitgliedern zu formen. Wohl die meisten Kinder erhalten nun ihre erste Rekrutenausbildung. Die Eltern sprechen mit ihnen nur noch im Kasernenhofton und die Kinder erleben zumeist Befehle, Verbote und Strafen, womit sie sich frühzeitig an die Funktion und die Herrschaft späterer demokratischer Regierungen gewöhnen können.

So wuchsen die Kinder während ihrer ersten Lebensjahre in dem auf, was man so schön ‘trautes Heim’ nennt, was aber nichts mit Geborgenheit zu tun hat und nur beweist, daß die Floskel ‘Zuhause’ nicht nur mit einem Gefühl der Zusammengehörigkeit oder des Behütetseins, sondern auch mit dem Gefühl der Angst oder der Furch vor diesem ‘Behütetwerden’ besetzt werden kann. Der Vater war selten zuhause. Er sagte, er muß viel arbeiten, um die Familie zu ernähren, deshalb mußte er Überstunden machen. Bald kam der Vater immer später von der Arbeit. Er setzte sich mit Kollegen und Freunden zusammen, die dann ‘Lao Kao’ tranken, den billigen Reisschnaps. Die Mutter setzte sich mit Freundinnen zusammen, deren Männer auch auf dem Bau arbeiten. Sie tranken eine ‘Sam Niu’ genannte ‘Medizin’, einen billigen Kräuterlikör, der nach einem süßlichen Magenbitter schmeckt. Die Kinder der Frauen waren dann meist in der Nähe, solange sie noch klein waren, achteten aber darauf, ihren Müttern nicht ungerufen zu nahe zu kommen, weil sie zu leicht geschlagen wurden, sei’s wegen irgend einer Handlung oder einfach nur weil sie störten, denn nun waren sie nicht mehr niedlich. So war die Mutter froh, daß sie in der Nähe einer Schule wohnten, wo sie die Kinder mit Beginn des vierten Lebensjahres in einer Vorschulklasse untergebracht hatte. Dort wurden sie gut aufgehoben.

Dann verlor der Vater die Arbeitsstelle. Er war betrunken und wollte die ‘Mia Noi’, die hübsche Nebenfrau des Vorarbeiters zum Sex zwingen. Er hatte in seinem Suff geglaubt, daß ihr das Spaß machen muß und gar nicht daran gedacht, daß sie schreien könnte. Der Vorarbeiter kam, sah seine Freundin mit einer zerrissene Bluse im festen Griff eines betrunkenen Arbeiters, und siegte. Er schlug einmal kräftig zu und brachte den betrunkenen Mann, der jetzt auch noch torkelte, vor den Chef, der ihn entließ. Zuhause zeigte der Vter sein Auge und erzählte, daß er wegen eines Unfalls entlassen worden war. Aufgebracht ging die Mutter, um den Chef zur Rede zu stellen. Aber der war nicht da, nur der Vorarbeiter. Der holte seine Freundin, die erzählte, warum der Vater entlassen wurde. Aufgebracht kam die Mutter nachhause. Dann hatte der Vater ein zweites blaues Auge und eine Platzwunde am Kopf. Die Mutter hatte eine gebrochene Nase, Schnittwunden und aufgeplatzte Lippen. Der Streit dauerte länger und die Kinder erlebten die Schlägereien ihrer Eltern jetzt öfter. Tatsächlich war die ohnehin schwache Bindung der Eltern endgültig zerstört, wenn sie sich auch nicht trennten. Doch die Spannungen waren unübersehbar und in Wirklichkeit kämpften sie jetzt gegeneinander. Das schien ihnen angenehmer, als alleine zu sein und gar nicht beachtet zu werden, zumindest solange sich nicht die Möglichkeit eines Lebens mit einem neuen Partner abzeichnete. Der Vater fand keine neue Arbeit und war jetzt viel zuhause. Er übernahm verschiedene Aushilfsarbeiten, um sich mit Lao Kao betrinken zu können. Er hatte Verständnis dafür, daß seine Frau mittrank. Die Kinder störten und wollten etwas zu essen haben. Dafür hatten die Eltern kein Verständnis.

Das Einkommen reichte gerade eben für den Lao Kao, aber nicht für die Miete, obwohl der Vater nun versuchte, sich mit Kartenspielen ein Einkommen zu verschaffen. Aber er verlor mehr Geld, als er gewann. Er fand nicht weit entfernt eine kleine Bretterhütte ohne Strom und Wasser, so konnten die Kinder weiter zur Schule gehen. Sie waren sehr froh darüber, denn seit der Vater fast immer betrunken zuhause war und die Mutter wegging, um Geld zu verdienen, bekamen sie zuhause oft Schläge.

Nach einem besonders heftigen Streit der Eltern schien sich alles zu wenden. Sie hörten auf, zu trinken. Der Vater rasierte sich und suchte Arbeit. Nach zwei Wochen konnte er bei einer großen Baufirma anfangen. Das Leben wurde erträglich, bis der Vater abends wieder wegblieb, mit Freunden Lao Kao trank und Karten spielte. Die Mutter ging wieder oft weg, sie blieb lange und kam meist erst lange nach Mitternacht betrunken nachhause. Die Eltern stritten viel miteinander, wenn sie sich sahen und die Kinder hatten oft nichts zu essen und bekamen Schläge.

Dann überschlugen sich die Geschehnisse. Der Vater kam einige Tage mit Freunden nachhause. Sie betranken sich jetzt mit amerikanischem Whisky und der Vater sagte, sie würden bald wieder eine gute Wohnung und genug zu essen haben. Doch die Mutter kam tagelang nicht nachhause und die Kinder hatten nichts zu essen. Eines Tages kamen weder Vater noch Mutter nachhause. Am nächsten Tag kamen zwei Polizisten und fragten nach der Mutter, sie sollte wegen einer Angelegenheit des Vaters zur Polizei kommen. Die Mutter kam erst zwei Tage später und ging am nächsten Tag zur Polizei. Danach sagte sie den Kindern, der Vater hat mit zwei Freunden in der Firma Geräte gestohlen und verkauft. Schweißgeräte, Bohrmaschinen, Motorsägen und Anderes. Sie hatten im Büro der Firma eingebrochen und den Wachmann sie gehört hatte und sie beim Aufbrechen einer Tür erwischte, haben sie ihn niedergeschlagen. Der war aber schnell wieder zu sich gekommen und hat die Polizei gerufen. „Jetzt sitzt der Vater im Gefängnis und da soll er viele Jahre bleiben“, schimpfte die Mutter, als sie wegging.

Am Nachmittag des nächsten Tages hielt ein Auto vor der Hütte. Die Mutter stieg aus, holte einige Papiere und Sachen aus der Küche und erklärte den Kindern, sie sollen dem Vater sagen, daß sie nicht länger mit ihm leben kann. Die Kinder wollten wissen, wo sie hingeht, doch sie sagte nur, daß sie weggeht, und daß sie die Kinder nicht mitnehmen kann, weil niemand sie haben will. Sie schimpfte, daß der Vater die Schuld hat. Als die Kinder sagten, sie haben Hunger, ging sie zum Wagen und kam mit einhundert Baht wieder. Dann fuhr die Mutter weg, verließ ihre Kinder.

Die Kinder waren ratlos, sie gingen zum Vater. Der sagte ihnen zur Begrüßung, daß er jetzt keine Kinder brauchen kann, dann meinte er, die Mutter soll ihm Zigaretten, Geld und Essen bringen. Als er hörte, daß die Mutter nicht mehr mit ihm leben will, ihn verlassen hat und weggegangen ist, war er lange Zeit still. Dann sagte er seinen Kindern sehr leise, sie dürften nicht in der Hütte bleiben, sonst kämen sie in ein Heim, das noch schlimmer ist, als das Gefängnis. Sie sollten weglaufen und sehen, daß sie nach Bangkok kommen. Er kann ihnen nicht mehr helfen, sie müßten versuchen, sich selbst durchzuschlagen und am Leben zu erhalten. Sie sollten nie vergessen, daß er nur im Gefängnis sitzt, weil er versucht hat, ein guter Familienvater zu sein, seine Familie zu ernähren und ihr ein gutes Leben in Wohlstand und den Kindern ein besseres Leben und eine gute Schulbildung zu bieten, und wenn sie in Bangkok etwas verdienen, sollten sie ihm Geld und Zigaretten schicken. Dann mußten die Kinder gehen. Es war ein seltsames Gefühl gewesen, den Vater hinter Gittern zu sehen. Es war nicht viel Mitleid dabei, auch nicht das Gefühl, den Vater verloren zu haben, sondern eher das angenehme Gefühl der Sicherheit, daß er sie jetzt nicht schlagen konnte

Pok, Tong und Suwa waren jetzt zwölf, zehn und neun Jahre alt. Sie durften nicht in der Hütte bleiben und nicht zur Schule gehen. Wenn man sie findet, kommen sie in ein Heim, hatte der Vater gesagt. Weil sie keine Eltern mehr haben. Sie sollten weglaufen, am besten nach Bangkok. Sie hatten Angst. Sie waren nicht gewollt, sie waren verlassen worden, ausgesetzt. Sie hatten keine Eltern und keine Wohnung mehr, sollten sich selbst durchschlagen. Sie wollten mit den Nachbarn sprechen. Vielleicht fanden sie jemand, für den sie arbeiten konnten, um etwas zu essen zu bekommen. Aber die Nachbarn wollten noch nicht einmal mit ihnen sprechen und schickten sie sofort weg, warfen sie hinaus, noch bevor sie etwas gesagt hatten. Da war nur eine Familie, deren Eltern ihnen sagten, sie hätten genug Ärger mit ihren eigenen Kindern. Sie fanden keine Leute, für die sie genug tun konnten, als daß es sich lohnen würde, drei Kinder durchzufüttern. Das Geld hatte nur der Staat, der ihnen etwas zu essen geben würde und so gut unterbrachte, daß mehrere Personen dafür bezahlt wurden, auf sie aufzupassen, damit sie nicht weglaufen. Sie waren nun auf der Flucht vor dem Staat und der Polizei, um nicht eingesperrt zu werden. Weil sie keine Eltern haben.

Es waren bange und schlimme Stunden, die sie nun zum letzten Mal in der Hütte zusammensaßen, Stunden, die sie nie in ihrem Leben vergessen würden. Pok kochte noch einmal Reis in einem Topf. Den Reiskocher hatte die Mutter mitgenommen. Sie mußten den Reis mit Fischsoße essen, denn es gab nichts anderes und sie durften die hundert Baht der Mutter jetzt nicht für besseres Essen ausgeben, solange sie noch irgendetwas zu essen hatten. Sie würden das Geld brauchen, wenn es gar nichts mehr zu essen gab. Pok sagte, sie müßten so viel essen, wie möglich, denn es war nicht sicher, ob sie morgen etwas zu essen finden. Währenddessen besprachen sie ihre Zukunft. Es fielen keine Tränen. Zu schrecklich, zu unfaßbar war die Situation, zu entsetzlich die Leere, in die sie gefallen waren. Pok erklärte, warum sie fliehen mußten, sagte, daß es ihnen ähnlich geht, wie den Menschen, die aus den Dörfern kamen, weil sie nichts mehr zu essen hatten, weshalb sie nach Bangkok fuhren, um dort nach Arbeit und Essen zu suchen. Manche von ihnen waren auf die Dächer der Züge geklettert, weil sie kein Geld hatten. Das müßten sie auch tun. Deshalb müßten sie nachts aufbrechen, um nicht gesehen zu werden.

Suwa wollte wissen, was sie denn in Bangkok machen sollen, doch Pok zuckte mit den Schultern und meinte, sie müßten alles tun, was möglich ist und verkündete, daß Buddha gelehrt hatte, daß nichts im Leben sicher sei, das müßten sie akzeptieren und das wäre jetzt ihr Leben, bis sie volljährig werden. Sie sprachen noch darüber, daß es nur der Hunger war, den sie mit den Leuten gemein hatten, die ihre Dörfer verließen. Diese Leute mußten sich nicht verstecken, sie durften arbeiten, wenn sie eine Arbeit fanden. Und sie waren nicht von ihren Eltern verlassen oder ausgesetzt worden, man hatte sie nicht weggeschickt, weil man sie nicht mochte und keiner sie haben wollte. Die Leute aus den Dörfern suchten Arbeit, aber sie waren nicht auf der Flucht vor jedem Polizisten.

Es gab nicht viel, was sie mitnehmen konnten, jeder hatte nur ein kleines Bündel mit Kleidungsstücken. Nur Suwa hatte noch eine Stoffpuppe, die ihr früher einmal eine Nachbarin geschenkt hatte. Schluchzend entschuldigte sie sich bei der Puppe, daß sie so eine schlechte Mutter ist, daß sie für die Puppe nicht einmal einen Platz hat, an dem sie bleiben kann, an dem sie sicher ist. Dann drückte sie die Puppe fest an sich, streichelte sie und versprach ihr unter Tränen, daß sie sie nie alleine lassen wird, auch wenn es ihnen nicht gut gehen mag, aber sie wird sie immer mitnehmen, bei sich behalten und nie vergessen. Sie bettete die Puppe in ihren Beutel und lief den Brüdern hinterher, die schon losgegangen waren und nun auf sie warteten. Sie schlichen geduckt um den Bahnhof herum, um nicht gesehen zu werden. Pok kundschaftete aus, wann der Zug nach Bangkok losfuhr und wo er stand. Die Bahnhofsuhr zeigte, daß sie noch viel Zeit hatten. Sie versteckten sich in einem Gebüsch und schliefen. Eine halbe Stunde vor Abfahrt weckte Pok die Geschwister. Sie schlichen über das Bahngelände und fanden am Ende des Zuges einige halbhohe Waggons mit großen Kisten. Hier waren sie vor dem Wind geschützt und konnten sich verstecken.

Bisher hatten sie Abenteuer immer geliebt, sie brachten Abwechslung und waren aufregend. Aber was sie jetzt erlebten, war eine ganz andere Art von Abenteuer, denn sie konnten nicht mehr zurückkommen. Sie mußten ihre Heimat und ihre Vergangenheit vergessen. Lange dachten die Kinder an ihre Eltern, die Schule, die gemeinsam verbrachte Zeit und das Nichts, das vor ihnen lag, bis das Stampfen der Räder sie einschläferte. Bei jeder Station wurden sie wach. Sie hatten Angst, gesehen zu werden, sie froren und hatten Hunger. Pok packte eine Plastiktüte mit dem Reis aus, der übriggeblieben war. Sie aßen ihn wieder mit Fischsoße. Die Fahrt war endlos, aber sie wußten, daß der Zug am späten Abend des nächsten Tages in Bangkok ankommen mußte. Sie hatten Durst, aber sie konnten den Waggon nicht verlassen, bis er in Bangkok war. Es war zu gefährlich auf einem Bahnhof auszusteigen und nach Wasser zu suchen, denn es war nicht sicher, wann der Zug abfuhr. Als die Nacht vorüber war und die Sonne die Luft erwärmte, schauten sie lange Zeit über die Wände des Waggons auf die vorbeiziehende Landschaft, auf arbeitende Menschen und Siedlungen, in denen Menschen lebten, mit Häusern, in denen sie zuhause waren. Da sie nachts wegen der Kälte und dem Fahrtwind nur wenig geschlafen hatten, schliefen sie auch einige Stunden während des Tages. Nun bekamen sie Hunger und Durst, aber sie durften den Waggon nicht verlasen, sie mußten ausharren, bis sie nach Bangkok kamen. Hunger und Durst, das Rattern der Räder und die nagende Ungewißheit über ihre weitere Zukunft ließen den Tag wie im Zeitlupentempo vergehen. Alle möglichen Gedanken und Ängste gingen den Kindern durch den Kopf und wuchsen bedrohlich, bis Pok die Geschwister mit einem Gespräch über die Schule ablenken konnte.

Mit dem kühlen Fahrtwind der beginnenden Dämmerung verging der Durst und Angst kam wieder in ihnen auf. Der Waggon war für sie schnell zu einer Heimat geworden, er hatte ihnen Sicherheit und Schutz geboten. Bald mußten sie ihn verlassen und sie durften nicht gesehen werden. Wachsam schaute Pok auf die Schilder der Stationen, als die Umgebung belebter wurde, immer mehr Häuser, immer mehr Lichter zu sehen waren und weitverzweigte Schienenstränge sich bemerkbar machten. Ein gewaltiges, unüberschaubares Meer von Häusern, Straßen und Fahrzeugen ließ sie sich völlig verloren vorkommen Endlich kamen die ersten Schilder von Bangkok, der Zug verlangsamte seine Fahrt und schob sich quietschend über viele Weichen hinweg auf eine riesige Halle zu. Das mußte der Bahnhof sein; nun mußten sie schnell abspringen.

Als der Zug langsam an einigen abgestellten Waggons vorbeifuhr, kletterten sie mit steifen Gliedern aus dem Waggon und ließen sich auf den Schotter fallen. Schnell liefen sie hinter die stehenden Waggons, um sich hinter einem großen Kasten zu verstecken, der am Rande des Geländes vor einem großen Zaun stand. Nun waren sie in Bangkok. Aber sie wußten nicht weiter. Sie mußten irgendeine Arbeit, Unterkunft und Nahrung suchen und wußten nicht, wo. Aber erst einmal mußten sie weg vom Bahnhof, wo man sie nicht sehen durfte. Der große Zaun hörte nach einigen hundert Metern an einer breiten Straße auf. Als Pok noch einmal erklärte, wie sie schnell am Zaun entlang laufen und sich am Ende des Zaunes treffen sollten, erschien ein größerer Junge und sagte: „Die vordersten Waggons gehören mir!“ Als sie überhaupt nicht wußten, wovon er sprach, welche Waggons er meinte und wieso sie ihm gehörten, fragte er; „Seid ihr neu hier?“ Pok zeigte auf den Zug, der jetzt quietschend am Bahnsteig hielt und der Junge lachte.

„Dann kommt ihr gerade aus Nong Khai“, fragte der Junge, was die Geschwister bestätigten. Dann fragte er: „Und Eure Eltern?“ Stockend sagte Pok: „Der Vater sitzt im Gefängnis und die Mutter ist abgehauen.“ Der Junge nickte: „Ich bin Suk. Ich bin auch aus Nong Khai. Ich bin meinen Eltern weggelaufen, aber ich bin jetzt schon fünf Jahre hier. Ich werde Euch heute helfen, weil ihr neu seid, aber nur heute. Ich kann Euch später alles erklären, aber jetzt müssen wir erst einmal arbeiten. Der Zug, mit dem ihr gekommen seid, wird gerade auf ein Abstellgleis geschoben. Wenn die Lokomotive wieder wegfährt, müssen wir ganz schnell rein und alle Flaschen rausholen, die wir finden. Die sind unter den Sitzen, zwischen den Polstern und in den Ecken. Ich fange vorne an und ihr fangt hinten an, wir treffen uns irgendwo in der Mitte. Wir müssen uns beeilen, bevor andere Straßenkinder kommen oder die Putzkolonne von der Bahn. Wenn Männer kommen, müßt ihr weglaufen. Wir treffen uns dann wieder hier zwischen dem Gerätekasten und dem Zaun. Damit lief er los und die Geschwister folgten ihm. Sie sammelten die Flaschen vom Boden auf, aber sie hatten die Mitte des Zuges noch nicht erreicht, als Männer und Frauen mit roten Westen in die Waggons einstiegen und die Geschwister mit ihrer Beute hinter den Kasten liefen. Ihnen folgte Suk, dem noch ein Mann einige Meter hinterherlief und laut hinterherschimpfte. Schnaufend lachte er: „Sie haben immer Angst, daß wir etwas Kostbares finden, was ihnen dann entgeht.“

Es war ein erfolgreicher Tag gewesen. Die Geschwister hatten zusammen vierzehn Flaschen gefunden, von denen man aber zwei nicht brauchen konnte, und Tong hatte eine Plastiktüte mit zwei großen Portionen ‘Kao muu deng’ gefunden, Reis mit Schweinefleisch. Auch Suk war zufrieden. Er hatte zwölf Flaschen, einen fünfzig Baht-Schein und ein Taschenmesser gefunden. Er zog zwei Plastiktüten aus der Tasche, sagte den Geschwistern, sie sollten ihre Flaschen dort hineintun und dann gingen sie los, um die Flaschen zu verkaufen. Suk sagte ihnen, daß sie für Bierflaschen einen Baht bekommen, daß die großen Cola- oder Pepsiflaschen mehr bringen, aber selten sind, und daß sie auch die großen Flaschen von Mekong, Saeng Thip und Saeng Som verkaufen können. Andere Flaschen werden aber nicht angenommen. Sie könnten auch Getränkedosen verkaufen oder Altpapier, aber davon müßten sie mehrere Kilo zusammenhaben, sonst lohnte es sich nicht. Er brachte sie zu einem Altwarenlager, wo sie das Geld für die Flaschen bekamen und sich umsahen, um zu wissen, was sie alles verkaufen konnten. Dann setzten sie sich zusammen an den Rand das Schuppens, der Büro, Wohnung und Lagerraum des Verwalters war, unterhielten sich und verspeisten gemeinsam die von Tong gefundenen Reisgerichte.

Suk weihte sie dabei in die Überlebensgeheimnisse der Straßenkinder ein. Er sagte ihnen, wo sie schlafen konnten und wo sie auf keinen Fall schlafen durften, wie etwa in Bahnhöfen und Busstationen und an Plätzen mit Publikumsverkehr. Er nannte die Tempel und Plätze, die sie meiden mußten, weil dort die Wohlfahrt oder die Polizei auf sie lauerte, nannte Plätze, wo sie Nahrung finden konnten, Großmärkte und kleinere Märkte beim Abbau, wo sie übriggebliebene, leicht beschädigte Früchte bekommen konnten, Tempel, zu denen sie nach der Mittagszeit gehen konnten. Er nannte ihnen die Plätze, an denen sie am frühen Morgen Flaschen finden konnten. Wichtiger war noch, daß er ihnen sagte, wo sie sich und ihre Kleider waschen konnten und daß sie sich sehr sauber halten sollten, weil sie sofort auffielen und überall verjagt wurden, wenn sie schmutzig waren. Sie sollten nicht betteln gehen, weil sie dabei schnell geschnappt werden und sie sollten vor allen Dingen nichts mit Drogen machen, weil das zu gefährlich ist. Wenn sie aber einmal nicht anders könnten, als Kurierdienste mit Drogen zu leisten, wofür die Händler gerne Kinder einsetzen, dann sollten sie auf gar keinen Fall selbst von den Drogen nehmen. Denn von denen würden sie abhängig und dann würden sie nur noch arbeiten, um die Drogen zu bekommen. Aber wenn sie richtige Drogen nehmen, können sie nicht mehr richtig arbeiten. Die meisten Leute fangen dann an, zu stehlen oder werden kriminell, um die Drogen zu erhalten und landen hinter Gittern. Selbst wenn es nur Zigaretten sind, dann kostet ein Päckchen fünfunddreißig Baht, davon hätten sie alle zusammen einen Tag zu essen und die anderen Drogen seien noch viel teuerer und sie helfen nicht, sie machen den Körper kaputt.

Die Geschwister erzählten von ihren Eltern, die immer betrunken gewesen waren und sie dann geschlagen hatten. Sie waren sicher, daß sie keine Drogen nehmen wollten. Dann sprach Suk noch kurz mit dem Chef des Altwarenlagers und erklärte den Geschwistern anschließend, sie könnten für zehn Baht am Tag einen der alten Karren mieten, um Flaschen, Papier und Blechdosen zu sammeln. Das wäre eine sichere Einnahmequelle, damit sie nicht in Mülltonnen nach Essen suchen müßten. Wenn sie zusammen mit dem Wagen gehen, würde man glauben, die Eltern seien in der Nähe. Aber sie müßten sauber aussehen und dürften nie zur Schulzeit mit dem Wagen unterwegs sein. Vor allen Dingen aber müßten sie zusammenbleiben. Jeder kann einem einzelnen Kind etwas wegnehmen, wenn er größer oder stärker ist, aber vor drei Kindern hätte man mehr Respekt. Und außerdem gehen einzelne Straßenkinder in Bangkok schnell unter, wenn sie sich nicht einer Gruppe anschließen. Dort müssten sie sich aber in eine Rangordnung einfügen und viel vom ihrem Verdienst an die größeren Jungen abgeben, oder an die Erwachsenen, die solche Gruppen wie Bandenchefs leiten. Sie brauchten sich aber keiner Gruppe anzuschließen, wenn sie zusammenbleiben.

Die Geschwister berieten sich. Sie schämten sich fürchterlich, Abfälle aufsammeln zu müssen, aber sie wußten, daß sie nirgends eine Arbeit oder eine Unterkunft finden würden. Schließlich faßte Pok sich ein Herz und sagte: „Ich meine, es ist besser, Abfälle zu sammeln, als Abfälle essen zu müssen. Zumindest, solange wir keine besseren Möglichkeiten finden.“ Tong und Suwa senkten ihre Köpfe. Sie waren nicht froh darüber, aber sie hatten auch keinen besseren Vorschlag. Suk bot ihnen an, er könnte ihnen die zehn Baht für den ersten Tag leihen, doch Pok sagte, soviel hätten sie noch. Als Suk sich verabschiedete, weil er noch Geld verdienen mußte, bezahlte Pok die Miete für den Wagen und sie durften unter dem verlängerten Dach eines Schuppens schlafen. Suk rief ihnen noch zu: „Wir sehen uns morgen wieder am Zug.“

Die Geschwister kuschelten sich an der schützenden Schuppenwand zusammen und sprachen noch eine Weile miteinander. Sie waren sehr niedergeschlagen, aber sie wußten, daß es ein großes Glück war, daß sie Suk getroffen hatten und daß er ihnen schon viel geholfen hatte. Ohne ihn hätten sie nicht gewußt, was sie uönternhömen und an wen sie sich wenden konnten. Sie hätten sicher keine Möglichkeit gefunden, sich selbst zu ernähren. Dann wollten sie schlafen, weil sie mit dem Morgengrauen aufstehen mußten, um die Ersten auf der Straße zu sein. Nur Suwa holte noch ihre Puppe aus dem Beutel, drückte sie an sich, sprach leise mit ihr und versprach ihr noch einmal, daß sie sie immer bei sich behalten und nie allein lassen wird. Dabei schlief sie mit der Puppe im Arm ein.

Noch vor dem Morgengrauen wurden sie wach und machten sich auf den Weg. Pok schob den Wagen und sammelte Sachen an der Hauptsraße auf, während Tong und Suwa zu beiden Seiten der Straße und in den Nebenstraßen nach Abfällen suchten. Es kostete sie Überwindung, auch in die Abfalleimer und Mülltonnen zu schauen, aber es würde sie auch Überwindung kosten, nichts zu essen zu haben. Als sie die ersten Schulkinder auf der Straße sahen, brachen sie die Suche ab und schoben den Karren zum Händler. Der nickte zufrieden, zählte die Flaschen, packte Getränkedosen und Plastikflaschen zusammen, stapelte das Papier ordentlich und wog es. Dabei erklärte er den Kindern, wie sie diese Arbeiten am besten machen und daß sie es beim nächsten Mal selbst tun sollten. Dann gab er ihnen zweiundsiebzig Baht und sagte: „Nicht schlecht für den ersten Tag, Ihr habt das Geld für den Wagen und Euer Essen schon verdient und der Tag ist noch nicht zu Ende. Wenn Ihr nicht anfangt, Drogen zu nehmen und weiter früh aufsteht, könnt Ihr noch viel mehr verdienen.“

Dann zeigte er auf einen Gaskocher und Geschirr und sagte: „Das könnt ihr benutzen, bis Ihr Euch eigene Sachen kaufen könnt, wenn ich es nicht gerade brauche und Ihr es immer saubermacht und zurückbringt.“ Sie durften sich jetzt bis zum Nachmittag nicht auf der Straße sehen lassen. Sie konnten sich waschen, Tong machte Reissuppe zum Frühstück, Suwa wusch freiwillig die Wäsche und sagte, die Jungen hätten viel härter gearbeitet, als sie. Pok sagte, sie hätte sehr gut gearbeitet, fügte aber hinzu, daß sie sich noch einarbeiten müssen und daß ihm noch vom Wagen die Hände wehtun, aber da mußte er sich auch einarbeiten und er würde sich wohl schon bald dran gewöhnen.

Nachmittags zogen sie wieder los und hatten schon einen fast vollen Wagen, als sie Suk abends am Bahnhof trafen und gemeinsam den Zug entleerten. Er hatte zwei große Tüten voller Sachen und lud sie auf den Wagen, als sie wieder zum Altwarenhändler gingen. Die Geschwister erzählten ihm, wie gut der Händler zu ihnen war, doch Suk warnte sie: „Ja, er ist gut, solange ihr fleißig seid. Aber wenn ihr kein Geld mehr einbringt, ist er auch nicht mehr gut.“ Nachdem sie ihre Sachen sortiert hatten, gab der Händler ihnen noch einmal einhundertunddreiundvierzig Baht und gratulierte ihnen. Sie waren sehr stolz. Jeder von ihnen hatte an diesem Tag mehr verdient, als ihr Vater jemals auf dem Bau verdient hatte. Doch Suk warnte wieder: „In Bangkok ist das Leben aber auch viel teuerer.“ Sie unterhielten sich noch, bis Suk ging und dann gingen sie schlafen.

In der folgenden Zeit verdienten sie tatsächlich besser, aber sie waren auch immer unterwegs, wenn es ihnen möglich war. Nach zwei Wochen sagte der Händler ihnen, sie sollten einmal mit ihm mitkommen und zeigte ihnen etwa dreihundert Meter weiter auf dem Weg zur Straße an der Rückseite eines Hauses einen Schuppen, in dem sich ein Raum mit einem Tisch, Stühlen, einem Gaskocher und einer Kommode befand. In der Mitte des Raumes hing eine Glühbirne und vor dem Fenster hing ein großes Brett. Der Händler sagte, sie könnten den Raum für fünfhundert Baht im Monat mieten, aber sie dürften niemand sagen, daß er ihnen erlaubt hat, hier zu sein. Wenn sie einmal gefaßt würden, müßten sie sagen, sie hätten die Tür offen gefunden und wären eingezogen. Und vor Einschalten der Glühbirne müßten sie immer das Brett vors Fenster hängen. Die Geschwister waren einverstanden, hatten sie doch jetzt eine eigene Wohnung und ein Dach über dem Kopf, brauchten nicht mehr im Freien zu schlafen und konnten ihre wenigen Sachen hier unterbringen. Sie hatten in der Fremde ein eigenes Zuhause gefunden, wo sie als Familie zusammen leben konnten.

Langsam lernten sie auch einzelne Leute kennen. Der Inhaber eines Restaurants hatte sie einmal gerufen, weil sie sauber aussehen, hatte er gesagt. Er wollte ihnen Flaschen, Papier und andere Sachen vor die Tür stellen, dafür müßten sie aber auch anderen Abfall entsorgen. Sie waren einverstanden. Der Mann war mit ihrer Arbeit zufrieden und er hing ihnen fast jeden Tag eine gut verschnürte Plastiktüte mit übriggebliebenem Essen in kleineren Tüten an einen Haken neben der Tür. Es war meist genug zu essen für den ganzen Tag. Als sie sich einmal mit der Essenstüte in ein Gebüsch setzten, um etwas zu essen, kam schwanzwedelnd ein großer Hund, der das Essen gerochen hatte. Suwa gab ihm etwas von ihrem Reis ab, während Tong sofort protestierte. Er meinte, sie hätten selbst nicht genug zu essen, um auch noch Hunde zu ernähren. Doch Pok sagte, sie brauchten auch nicht alle Hunde zu ernähren, aber es wäre gut, wenn sie einen großen Hund hätten, der sie bewacht und beschützt: „Menschen haben Angst vor Hunden. Wenn wir ihm Futter geben und nett zu ihm sind, bleibt er vielleicht bei uns.“ Er gab ihm auch etwas Futter und tätschelte ihn. Tatsächlich ging der Hund mit ihnen mit und wurde zu einem ständigen Begleiter, der immer nebern Pok und dem Wagen herlief. Sie nannten ihn ‘Nong’.

Sie verdienten gutes Geld und hatten sich einmal überlegt, was sie damit anfangen. Pok meinte, sie sollten so wenig wie möglich ausgeben, das Geld sparen und als Sicherheit beiseite legen, für den Fall, daß einer von ihnen krank wird oder einen Unfall hat, für den Fall, daß sie einmal keine Abfälle mehr sammeln könnten oder um vielleicht später einmal etwas anderes zu tun, wozu sie Geld brauchten. Als Tong und Suwa meinten, Pok soll das Geld für sie aufheben, fand er das gar nicht gut und erinnerte sie daran, daß sie auf der Flucht waren und jederzeit gefaßt werden könnten. Er schlug vor, den größten Teil des Geldes im Schuppen zu verstecken. Außerdem sollte aber jeder von ihnen einen größeren Betrag in einer kleinen Tasche in der Unterhose bei sich tragen, weil sie nie wissen, was passiert und jederzeit getrennt werden können. Dann müßten sie Geld haben, um weglaufen, sich wieder zu treffen, oder sich notfalls alleine helfen zu können.

Daran wurden sie erinnert, als schon anderthalb Jahre vergangen waren und ihr Freund Suk nicht mehr erschien. Bald erfuhren sie, daß Leute von der Fürsorge ihn gefaßt und in ein Heim gesperrt hatten. Der Altwarenhändler erzählte ihnen immer, wenn Straßenkinder von der Fürsorge gefaßt oder von der Polizei geschnappt worden waren. Viele hatten etwas verbrochen, waren wegen Drogen gefaßt worden, die meisten wurden aber nachts gefaßt, weil sie sich an gefährlichen Orten wie an der Patpong oder an der Soi Cowboy aufhielten, weil sie beim Betteln aufgefallen waren oder weil sie keinen Schlafplatz hatten und irgendwo auf der Straße geschlafen hatten.

Es vergingen fast vier Jahre, seit sie in Bangkok angekommen waren, ohne mit ernsthaften Problemen konfrontiert worden zu sein. Sie hatten sich verstecken müssen und waren nicht zur Schule gegangen, aber sie hatten ein ordentliches Familienleben geführt, das weitaus besser war, als sie es bei ihren Eltern gehabt hatten. Pok hatte sie zusammengehalten, er hatte darauf geachtet, daß sie immer sauber waren, jeden Tag arbeiteten, keinen Unfug anstellten und sich nicht herumtrieben. In der Zeit, in der sie nicht auf die Straße durften, weil Kinder zu dieser Zeit in der Schule waren und sie auffallen würden, hatten sie im Schuppen in Schulbücher geschaut, um etwas zu lernen. Das war zwar nicht sehr intensiv gewesen und geschah eher aus Langeweile, aber Pok hatte darauf bestanden, daß sie wenigstens lesen und schreiben können müßten, wenn sie schon nicht zur Schule gehen konnten. So hatten sie denn jeden Tag Lesen und Schreiben geübt, wenn es auch nur zwei oder drei Stunden gewesen waren. Aber es hatte gereicht, daß sie kleine Geschichten lesen konnten, die sie manchmal im Abfall fanden, auch wenn ihnen manche Worte begegneten, die sie nicht kannten und nicht verstehen konnten. Pok hatte eines Tages einen gebrauchten Fernsehapparat beschafft, der dann ihre Hauptbeschäftigung wurde, wenn sie nicht mit dem Karren unterwegs waren. Aber sie vernachlässigten ihre Arbeit nicht, wenn irgendwelche interessanten Sendungen zu erwarten waren.

Doch als sie eines Tages Flaschen aufsammelten und in Mülltonnen stöberten, rief Pok ihnen zu, sie sollten laufen, als drei Männer auf sie zukamen. Pok selbst lief nicht. Er fühlte sich für den Wagen verantwortlich, den er nur geliehen hatte. Die Männer nahmen Pok mit und steckten ihn in ein Heim. Pok war erst sechzehn Jahre alt, er mußte vom Staat beschützt werden, deshalb kam er hinter Gitter. Pok hatte eine Aufgabe gehabt. Er hatte die Vaterrolle übernommen und es war seine Aufgabe, für die Geschwister zu sorgen, sie zu beschützen und die Familie zusammenzuhalten. Aber das war verboten.

Er durfte seine Aufgabe nicht mehr durchführen, er durfte nur noch eingesperrt sein. Das Geld, das er bei sich gehabt hatte, wurde ihm abgenommen, weil es angeblich illegal verdient war. Es verschwand. Im ‘Heim’ war er der Diener für die Aufpasser und für die stärkeren, älteren Jungen. Er mußte ihre Arbeiten verrichten, ihre Aufträge und Befehle durchführen und ihnen sein Essen abgeben, um nicht verprügelt zu werden. Die Aufpasser interessierte das nicht, denn sie betrachteten die Gefangenen nicht als Menschen, hatten sie doch noch nicht einmal Eltern und folglich keine Rechte und kein Geld, sie konnten sich nicht wehren, durften sich nirgends beschweren und sie konnten sich nicht freikaufen. Sie waren Spielzeug für die sadistischen Spiele der Aufpasser und der größeren Jungen.

Nach dem thailändischen Gesetz dürfen Kinder, die mit der Zustimmung der Eltern über ein Jahr lang eine eigenständige Geschäftstätigkeit ausgeübt haben, dieselbe Tätigkeit später auch ohne Einverständnis der Eltern oder Erziehungsberechtigten durchführen. Aber sie dürfen sich nicht wehren, wenn der Staat seine Gesetze nicht akzeptiert und sie stattdessen einsperrt. Pok dachte viel an seine Geschwister und war verzweifelt, daß er ihnen nicht mehr helfen konnte. Aber der Staat schützte ihn und hielt ihn deshalb hinter Gittern, wo er oft verprügelt wurde. Pok ging daran, daß er seine Aufgabe nicht erfüllen konnte, an seiner Verzweiflung und an dem Heim zugrunde. Er war fünf lange Jahre Familienvorstand gewesen und hatte für Gemeinschaft und Gerechtigkeit gesorgt. Nun war er Laufbursche für die Stärkeren und bekam selbst dann Prügel, wenn er nur einmal versuchte, seine Meinung zu sagen. Nach zwei Jahren, die man ihn beschützt hatte, gehorchte er nur noch Befehlen und sprach mit niemand mehr. Als Kind hatte er selbständig gelebt, sich selbst ernährt und seine Geschwister beschützt. Nun hatte der Staat ihn beschützt und er konnte nur noch gehorchen. Der staatliche Schutz war erfolgreich gewesen, der Staat hatte sein Ziel erreicht und aus dem selbständigen Jungen einen gehorsamen Bürger geformt. Wenn er es nicht schafft, aus dem Heim wegzulaufen, dann wird er mit Erreichen der Volljährigkeit zur Armee eingezogen. Dort wird die demokratische Erziehung dann weitergeführt und perfektioniert.

Tong und Suwa kamen auf verschiedenen Wegen und zu unterschiedlichen Zeiten zu ihrem Händler, der ihnen sagte, sie sollten ganz schnell hinter dem Lager durch die Büsche verschwinden und zum Schuppen laufen, er käme später dorthin. Sie trafen sich dann beim Schuppen und am Abend meldete sich der Händler. Er sagte, er habe jetzt viele Probleme. An diesem Tag habe man sechs Straßenkinder, die bei ihm ihre Sachen verkaufen wollten, festgehalten und mitgenommen. Man würde sein Lager jetzt bewachen und alle Kinder mitnehmen, um zu überprüfen, wo ihre Eltern sind und ob die Kinder die Genehmigungen ihrer Eltern haben. Man hatte bei ihm nach Drogen gesucht, zwar keine gefunden, aber er hatte eine Strafanzeige wegen Beschäftigung Minderjähriger erhalten. Er kann ihnen vorläufig nichts mehr abkaufen und bei den anderen Altwarenhändlern sieht es nicht anders aus, sagte er. Der Staat mache gerade eine große Razzia wegen Obdachlosen, Straßenkindern und Drogenkonsum, weil eine große, internationale Konferenz in Bangkok ansteht. Dazu will man ein schönes, sauberes Stadtbild vorweisen, ohne Obdachlose und ohne Straßenkinder. Das erreichte man am leichtesten, indem sie verboten wurden.

Tong und Suwa waren verzweifelt. Pok war für sie ein Vater. Er war für sie dagewesen und hatte ihnen Halt gegeben. Nun hatte man ihn eingesperrt. Er hatte nichts Böses getan, er hatte nur viel und hart gearbeitet. Warum sperrte man ihn ein? Weil er gearbeitet hatte? Weil er ihnen geholfen hatte? Oder einfach, weil sie vom Staat kamen und stärker waren, weil sie keine Kinder mochten, die keine Eltern hatten? Außerdem hatte man ihnen die Arbeit genommen. Sie durften keine Altwaren mehr sammeln und verkaufen. Wie sollten sie jetzt leben? Sie durften nicht arbeiten gehen, niemand durfte Kindern Arbeit geben. Die Beamten des Staates würden sie sehen und einsperren. Kinder haben gefälligst Eltern zu haben, sonst muß man sie einsperren. Sie hatten in den fünf Jahren sehr viel gearbeitet, sie hatten viel gespart und sie hatten sehr viel Geld. Aber sie durften jetzt noch nichts damit anfangen. Pok hatte darauf geachtet, daß sie alles Geld zurücklegen, fast jeden Tag um die zweihundert Baht, und er hatte gesagt, das Geld ist die Grundlage für eine eigene Existenz, wenn sie erwachsen sind. Sie dürften es jetzt nicht vergeuden, nur weil Pok nicht mehr bei ihnen war. Außerdem konnte das Geld ihnen nur Nahrung geben, aber sie konnten nicht jahrelang im Schuppen sitzen, essen und darauf warten, daß sie volljährig wurden. Sie mußten etwas tun, sie mußten irgendeine Beschäftigung finden. Sie wollten versuchen, andere Straßenkinder zu treffen und herausfinden, was die machten, um zu überleben. Sie mußten irgendwelche Möglichkeiten finden, etwas zu tun und sich zu ernähren.

Sie ließen den Hund zuhause und zogen am späten Nachmittag los. Am Rande eines kleinen Parks sahen sie eine Gruppe Kinder von sieben Jahren an, die sich um zwei Erwachsene scharten. Einige der Kinder hatten Plastiktüten in den Händen und schwankten mit einem ausdruckslosen Gesicht. Als sie sich dazu stellten, wurden sie gefragt, wo sie herkommen und wo ihre Eltern sind. Dann wollten die Männer wissen, ob sie Geld oder Klebstoff haben. Tong sagte, sie hätten dreißig Baht. Einer der Männer sagte dann, sie müßten erst überprüft werden, ob sie ‘sauber’ sind, bevor sie in ihre Familie aufgenommen werden können. Sie sollten zu einer Baumgruppe gehen und auf ihn warten, bis die Familienbesprechung beendet ist.

Suwa sagte Tong, daß sie diese Leute nicht mag. Die Kinder hatten zerrissene, schmutzige Kleidung, sie schnüffelten Klebstoff und waren betäubt. Es kam ihr seltsam vor, daß sie nicht zuhören durften und erst überprüft werden mußten. Es mußte also irgendwelche Geheimnisse geben, und sie hatte nicht den Eindruck, als wenn sich die Erwachsenen wirklich um die Kinder kümmerten. Doch Tong meinte, sie sollten abwarten, was die Leute ihnen sagen wollten. Es mag vielleicht eine Viertelstunde gedauert haben, bis die beiden Männer zu ihnen kamen. Sie wollten wissen, wo sie herkamen, wo ihre Eltern waren, was sie bisher gemacht hatten und wovon sie sich ernährt haben. Das erzählten sie ihnen, ohne aber zu sagen, wieviel Geld sie verdient und daß sie gespart hatten.

Die Männer erklärte ihnen, daß sie in ihrer Gruppe wie eine Familie zusammenleben. Sie alle sind unterwegs, um Geld zu machen, das würden sie zusammenlegen und die Männer gaben ihnen dafür etwas zu essen und sorgten für einen Schlafplatz. Tong und Suwa sollten an diesem Tag im Stoßverkehr mit zwei verschiedenen Buslinien fahren und den Fahrgästen Geld oder Portemonnaies aus den Taschen holen. Sie hörten, wie sie das anzustellen haben, daß sie nur das Geld einstecken und Portemonnaies und Brieftaschen sofort wegwerfen sollen, und daß sie sofort weglaufen müssen, wenn man sie erwischt. Um 19 Uhr sollten sie sich dann wieder hier im Park treffen und das Geld abgeben, damit es verteilt wird und sie etwas zu essen bekommen.

Die Männer sagten ihnen, sie sollten jetzt sofort losgehen, damit sie genug Geld beschaffen. Wenn sie gut gearbeitet haben, würden sie am Abend eine Tüte mit Klebstoff zum Schnüffeln bekommen. Tong und Suwa waren sich jedoch einig, daß sie nur ausgenutzt werden sollten. Die Männer schickten die Kinder zum Stehlen, damit sie selbst nicht gefaßt werden konnten und wenn die Kinder gefaßt wurden, kamen sie in ein Heim und niemand würde sich um sie kümmern. Sie gingen zum Siam Square und später zur New Petchburi Road, um dort andere Straßenkinder zu finden und sich bei denen Informationen zu holen, aber hier war es nicht viel besser. Am Siam Square fanden sie eine Gruppe, mit der sie an Verkehrsampeln Autoscheiben waschen oder Blumengirlanden verkaufen sollten. Das Geld mußte am Abend abgegeben werden, damit sie etwas zu essen bekamen. An der New Phetchburi Road fanden sie eine Gruppe, mit der Sie Kaugummi und Plastikblumen verkaufen und Betrunkene bestehlen sollten. Ermüdet und enttäuscht gingen sie in ihre Hütte, wo sie mehrere Tage blieben.

Sie litten keinen Hunger, denn sie hatten viel Geld gespart, aber sie waren Gefangene. Sie konnten nichts weiter tun, als in einer Hütte zu sitzen und Angst zu haben, entdeckt zu werden. Aber sie konnten sich nicht jahrelang verstecken, sie mußten irgendeine Existenzmöglichkeit suchen. Sie hätten Unterkunft und Verpflegung bis zu ihrer Volljährigkeit bezahlen können, aber niemand wollte etwas mit fremden Kindern zu tun haben, das war gegen das Gesetz. Sie hatten mit dem Inhaber des Restaurants gesprochen, dessen Abfälle sie entsorgt hatten, der ihnen immer Plastiktüten mit Essen vor die Tür gehangen hatte. Sie wollten gratis für ihn arbeiten, nur damit sie etwas zu tun und einen Platz hatten, wo sie sich aufhalten durften. Aber er erklärte, daß er ihnen gerne einen Platz geben und auch einen Lohn bezahlen würde, aber er macht sich strafbar, wenn er sie bei sich arbeiten oder auch nur schlafen läßt. Es wäre für ihn ideal, wenn sie bei ihm wohnen und zur Schule gehen und abends im Restaurant helfen. aber sie sind nicht seine Kinder und er kommt als Krimineller für viele Jahre ins Gefängnis, wenn er ihnen hilft. Es tat ihm wirklich leid, daß er ihnen nicht helfen konnte und sagte ihnen, wenn sie Hunger haben, können sie sich jederzeit bei ihm melden, er würde ihnen jederzeit etwas zu essen geben, das wäre nicht kriminell, aber sonst durfte er nichts tun. Deshalb machten sie sich wieder auf die Suche nach Straßenkindern, auf die Suche nach Arbeit.

Sie holten Geld aus ihrem Versteck, sie steckten jeder 10.000 Baht in die Tasche, die sie unter der Unterhose trugen. Geld, daß sie auf der Flucht vor dem Staat und seinen Gesetzen vielleicht brauchten. Dann machten sie sich wieder auf den Weg zu den Vergnügungszentren, wo sie hofften, andere Straßenkinder und vielleicht irgendeine Arbeit zu finden. Soi Cowboy, Nana Plaza und Patpong waren ihre Stationen. Es gab keine Arbeit, nichts zu tun, aber sie trafen zwei Kinder von Klong Toey, dem größten Slum von Bangkok. Die sagten ihnen, dort könnten sie überleben, die Polizei hat dort keinen Überblick und traut sich nur selten hinein. Sie gingen mit den Kindern mit und wurden einigen Leuten vorgestellt. Nach Befragung nach ihrer Herkunft und ihrer Vergangenheit fand sich jemand, der sie öfter beim Müllsammeln gesehen hatte. Deshalb wurden sie akzeptiert. Kinder, die keine Eltern und keine Unterkunft haben, die vom Staat verfolgt werden und ums Überleben kämpfen, sind in Klong Toey normal, sie gehören dazu. Alle Menschen, die nicht mit der normalen Gesellschaft leben können, gehören dazu. Sie sind Teil einer Gesellschaft, die ums bloße Überleben kämpft, Menschen, die aus der bürgerlichen Gesellschaft ausgegliedert wurden.

Sie konnten sich eine kleine Wellblechhütte mieten, sie mußten aber weglaufen, wenn Polizei kam und sie durften nie sagen, daß sie die Hütte gemietet hatten. Einige Leute versuchten, sie im Drogenhandel oder als Kuriere einzusetzen, man bot ihnen an, sie im Sexgeschäft zu vermitteln, aber sie wollten nicht. Schließlich bekamen sie Arbeit bei einer Frau, die mit einer Fliegenden Küche Suppen verkaufte, wo Suwa mitarbeiten konnte, und bei einem fahrbaren Grill, wo Tong mitgehen konnte. Sie sollten kein Geld, aber etwas zu essen bekommen. Mehr war nicht zu erwarten. Aber sie waren zufrieden, denn sie hatten jetzt wenigstens eine Beschäftigung.

Aber die war nicht von langer Dauer. Tong war noch keine zwei Wochen mit dem fahrbaren Grill unterwegs, als der Inhaber überprüft wurde. Tong konnte weglaufen und der Inhaber des Grills sagte, er kennt den Jungen nicht, er hätte sich nur mit ihm unterhalten. Aber Tong war seine Stelle los und da mehrere Überprüfungen stattgefunden hatten, konnte auch Suwa nicht mehr mit dem Suppenstand mitgehen. Man überprüfte die Personalien, die Lizenzen und die ‘Verkehrssicherheit’ der Fahrzeuge und ließ die Inhaber eine Strafe zahlen, ohne Quittung natürlich. Der Staat hatte wieder einmal geholfen. Damit alles seine Ordnung hat und die Beamten ihr Gehalt aufbessern konnten. Passend dazu standen in den Zeitungen Berichte über die Schaffung einer sozialen Ordnung und sozialer Gerechtigkeit.

Nun war auch diese Möglichkeit zerstört. Tong und Suwa hatten nichts mehr zu tun. Sie hatten ja noch Geld zum Leben, aber es ist entsetzlich langweilig, wochenlang in einer Blechhütte zu sitzen und auf die Volljährigkeit zu warten, weil der Staat sie schützt. Jetzt hatten sie nur noch die Möglichkeit, etwas im Drogenhandel oder im Sexgeschäft zu tun. Tong bekam einen Aushilfsjob beim Betonieren von Fundamenten. Als er am dritten Tag nachhause kam, lag Suwa blutend in der Hütte. Sie war vergewaltigt worden. Suwa verstand, daß das ihr Recht war. Jeder konnte sie vergewaltigen, denn sie konnte weder zur Polizei noch in ein Krankenhaus gehen, wenn sie nicht hinter Gitter wollte, denn der Staat wollte sie ja beschützen.

Tong hatte gut gearbeitet, deshalb bekam er einen weiteren Aushilfsjob beim Bau, freilich erhielt er nur fünfzig Baht am Tag, einen Euro, denn er war ja jugendlich, also illegal. Er arbeitete fast einen Monat. Dann kam eine Razzia. Man suchte illegale ausländische Arbeiter. Sot kannte inzwischen einige der Arbeiter. Als die Razzia begann, ging er sofort weg. Als man ihn anhielt, sagte er, daß er seinem Vater das Essen gebracht hatte und zeigte auf einen der Arbeiter. Weil der das bestätigte und Tong offensichtlich kein ausländischer Arbeiter war, ließ man ihn laufen. Aber wieder hatte er eine Arbeitsstelle verloren und keine Möglichkeit einer Beschäftigung..

Suwa sagte ihm, sie hat Angst um ihr Geld. Sie wollte mit ihm zusammen zum Schuppen fahren, um mehr von dem Geld zu holen. Sie hatte Angst, daß es gestohlen werden könnte, wenn sie nicht mehr dort leben. Außerdem wäre es sicher gut, wenn sie sich bei ihrem Altwarenhändler meldeten und die Schuppenmiete bezahlten. Vielleicht könnten sie wieder Altwaren sammeln. Sie fuhren gemeinsam hin und füllten die Taschen, die sie in der Unterhose trugen, aber sie vereinbarten, nur das Allernotwendigste auszugeben, weil sie ja mit diesem Geld ein neues Leben beginnen wollten, wenn sie erst einmal volljährig waren, und Tok wäre der erste, der das Geld dafür braucht. Sie hatten Fleisch, Obst und Zigaretten gekauft und gingen nun den Altwarenhändler besuchen.

Dort hatten sie auch ihren Hund Nong untergebracht und das Futter bezahlt. Er war vor Freude außer sich, tänzelte schwanzwedelnd auf sie zu, sprang sie an, legte die Pfoten auf ihre Schultern und war gar nicht mehr zu beruhigen. Sie erzählten dem Händler, was sie jetzt tun und fragten, ob sich die Situation beruhigt hat und ob sie nicht wieder für ihn arbeiten könnten, doch er sagte, daß er jetzt viele Probleme und viele Kontrollen erlebt. Außerdem muß er jetzt vom jedem, der bei ihm etwas verkauft, einen Ausweis sehen und Namen und Adressen aufschreiben. Er kann vielleicht einige Sachen dazwischenschmuggeln, aber das reichte nicht mehr zum Leben und sie würden zu leicht in eine Kontrolle geraten. So bezahlten sie zwar den Schuppen und das Futter für den Hund, vorsichtshalber für drei Monate, doch dann verabschiedeten sich und Suwa weinte, weil der Hund sich gar nicht von ihnen trennen wollte, sie ihn aber nicht mitnehmen konnten. Sie fuhren mit dem Bus durch die Stadt und wieder in ihre Wellblechhütte in Klong Toey. Die Lage war hoffnungslos, sie konnten nichts tun, mußten sich verstecken und warten, bis sie achtzehn Jahre alt wurden, damit sie die Straße betreten und Arbeit suchen durften.

Hoffnungslos hingen sie in ihrer Blechhütte, tagelang, wochenlang. Zwischendurch bekam Tong irgendwelche Aushilfsarbeiten, aber das war selten, denn niemand durfte ihn einstellen. Eines Tages sagte Suwa, daß sie in einem kleinen Restaurant als Aushilfe arbeiten kann. Sie gab Tong die Anschrift und bat ihn, kurz einmal hineinzuschauen, weil sie den Leuten nicht traut, die sie eingestellt hatten. Tong ging am Abend vorbei, aber er konnte Suwa nicht finden. Der Eigentümer wußte nichts von Suwa und sagte, daß sie hier nicht arbeitet, daß er keine minderjährigen Aushilfskräfte einstellen darf und auch niemand gesucht hat. Es muß sich um ein anderes Restaurant handeln. Tong fand weder Suwa, noch die Männer, die sie abgeholt hatten. Er konnte nichts weiter machen, als das versteckte Geld aus der Holzhütte zu holen. Er befürchtete, daß man Suwa zwingen könnte, das Versteck preiszugeben.

Es dauerte ein halbes Jahr, bis Suwa wiederkam. Sie war knochendürr, hinkte, hatte ein verbeultes Gesicht und blutete an der Schulter. Die zwei Männer, die sie zu ihrer neuen Arbeit bringen wollten, hatten sie eingesperrt, ihr das Geld abgenommen, sie vergewaltigt und als Prostituierte vermietet. Sie war viel geschlagen worden, weil sie versucht hatte, wegzulaufen und man hatte sie in eine Dachkammer gesperrt, aus der man sie nur geholt hatte, um Kunden zu bedienen. Einer dieser Kunden schenkte ihr ein Taschenmesser, das er zufällig bei sich hatte. Damit konnte sie ein Loch in die Decke schneiden und über das Dach flüchten, wobei sie sich verletzt hat. Sie blieb längere Zeit in der Blechhütte, bis ihre Wunden verheilt waren. Dann ließ sie sich von Männern mitnehmen. Sie erklärte Tong, daß einige Männer zu ihr nett gewesen waren und daß sie sich bei ihnen viel besser gefühlt hatte, als alleine in der Blechhütte. Tong verstand. Er hatte im Slum gelernt, daß Gesetze und Moral nicht zählten, sie waren eine Maßnahme der Reichen, damit die Reichen reicher wurden. Im Slum zählte nur das nackte Überleben. Man paßte sich den Reichen an; wer Geld verdiente, hatte Recht. Da gab es keine Moral, keinen Anstand und keine Rücksicht.

So kam es, daß er als Drogenkurier arbeitete. Die Händler brachten ihre Ware nicht selbst zu den Kunden und Tong hatte sich überlegt, wie er Drogen schnell verschwinden lassen konnte, wenn man ihn schnappen sollte. Er müßte nur vorsichtig sein, hatten die Händler ihm gesagt. Und dann hatte er einen Händler gefunden, der ‘heiße’ Altwaren annahm, Kabel, Telefonleitungen, Baugerüste etc. Solche Sachen zu beschaffen und Drogen an Kunden zu bringen, war jetzt seine Beschäftigung. Es gab nichts anderes, was er tun konnte. Suwa hatte jemand gefunden, der sie an Männer vermittelte. Das war nun ihr Beruf und ihre Gesellschaft. Auch sie konnte nichts anderes tun. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als kriminell zu sein, weil sie ja als Jugendliche vom Gesetz und vom Staat beschützt wurden, was der allerdings nur hinter Gittern durchführt.

So vergingen Jahre, in denen sie darauf warten mußten, ihr Leben leben zu dürfen, oder das, was davon noch übrig war. Eines Tages hörten sie vom Altwarenhändler, daß Pok geschrieben hat. Er war zur Armee eingezogen worden. Tong und Suwa sollten das Geld benutzen, um sich in Sicherheit zu bringen oder eine Existenz aufzubauen. Er würde kein Geld mehr brauchen. Sie machten sich Sorgen um Pok, aber sie konnten nichts unternehmen und Pok hatte nur mitgeteilt, daß er vorläufig noch keine Anschrift hat.

Tong wurde volljährig. Endlich konnte er leben, ohne sich verstecken zu müssen. Er ging zu einer Fahrschule, bestand die Führerscheinprüfung und kaufte einen Lieferwagen. Damit konnte er effektiv Altpapier, Flaschen und andere Sachen sammeln und verkaufen, die er wieder zu seinem Händler brachte, diesmal mit einem gültigen Ausweis und völlig legal. Er wollte mit Suwa arbeiten, aber er konnte sie nicht finden und niemand wußte, wo sie war. Er meinte, das sei nicht schlimm, denn er mußte ohnehin warten, bis sie achtzehn Jahre alt wurde. Auf einer seiner Fahrten fand er einen Jungen, der mit einem kleinen Handkarren Altpapier sammelte. Er sagte, er ist achtzehn Jahre alt und kommt aus Buriram. Er war froh, daß Tong ihn einstellte, daß er bei ihm wohnen und mit ihm zusammen arbeiten konnte. Mit einem Lieferwagen konnten sie gut arbeiten und Geld verdienen.

Als er Suwa nach einigen Monaten traf, sagte sie, daß sie gerade mit einem Mann zusammen lebt und arbeitet, bis seine Frau die Geburt eines Kindes hinter sich gebracht hat und mit dem Säugling aus ihrem Heimatdorf zurückkommt. Dann mußte sie den Mann verlassen und wollte wieder mit Tong zusammenarbeiten. Doch Tong geriet in eine Kontrolle und zeigte bedenkenlos seine Papiere vor. Aber der Junge, der mit ihm arbeitete, hatte keinen Ausweis. Er wurde von der Polizei zur Personenüberprüfung mitgenommen. Und dann kam die Polizei, verhaftete Tong und brachte ihn hinter Gitter. Der Junge kam aus Kambodscha, einige Kilometer hinter Buriram, weshalb er Thai und Khmer sprach, und er war erst sechzehn Jahre alt und keine achtzehn. Tong wurde inhaftiert, weil er einen Jugendlichen beschäftigt hatte, weil er einen illegalen Ausländer ‘Unterschlupf gewährt’ und ihm Arbeit gegeben hatte. Da er nun nachweislich kriminell war, wurde auch eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Dabei wurde das Geld gefunden, das die Geschwister gespart hatten. Es wurde beschlagnahmt und verschwand, weil es ‘illegal beschafft’ worden war. Auch das Auto wurde beschlagnahmt, weil es angeblich zu einer illegalen Tätigkeit verwandt worden war.

Bei einer Durchsuchung des Lieferwagens fand man in einer Sitzspalte ein Stück Haschisch. Das hatte Tong zwar nie gesehen, als Besitzer des Wagens war er aber dafür verantwortlich. Tong kam als Drogenhändler und wegen seiner Vergehen gegen das Einwanderungsgesetz und das Jugendschutzgesetz ins Gefängnis. Für die Richter war er bei so vielen Vergehen ein Schwerverbrecher, der den minderjährigen Kambodschaner vermutlich zum Drogenhandel eingesetzt hat. Man schickte ihn für viele Jahre ins Gefängnis. Tong meinte, das hatte nichts mit Recht zu tun, sondern nur mit dem Gesetz und einem Staat, für den die Bürger keine Menschen sind und nur so weit interessant, wie sie ihm oder den Beamten Geld einbringen.

Als letzte der drei Geschwister wurde Suwa volljährig. Sie konnte jetzt alles tun, was sie wollte. Sie beschaffte sich einen neuen Ausweis und durfte sich jetzt auch bei der Polizei sehen lassen. Sie erkundigte sich nach Tong und hörte, daß er als Drogenhändler im Gefängnis ist. Sie besuchte ihn, aber sie konnte ihm nicht helfen. Sie tat alles, was sie konnte; sie ging nach Pattaya und suchte Arbeit in einer Bar. Um zu überleben. Nicht, um einen Farang zu suchen, mit dem sie leben konnte, denn sie konnte mit keinem Menschen leben. Sie konnte nur mit Mühe etwas Thai lesen, nicht genug, um Englisch lernen zu können. Sie würde nicht in der Lage sein, Englisch zu lernen, wenn man von einigen Wörtern absah, die sie nachplappern lernte. Sie kannte kein Bett, keine Dusche, sie wußte nicht, wie sie sich schön anziehen konnte, sie konnte für einen Farang nicht einmal Frühstück machen, kochen oder auch nur putzen.

Sie konnte nicht verstehen, was die Männer von ihr erwarteten. Sie wußte, daß sie zu nichts zu gebrauchen war, daß sie niemand helfen konnte, mit niemand sprechen und niemand verstehen konnte. Sie wußte nur, daß sie dumm war, nichts gelernt hatte und nichts mehr lernen konnte, und daß es nichts nützte, wenn sie alles tat, was sie konnte, damit ein Mensch mit ihr zufrieden war, denn sie konnte nichts. Sie wußte, daß man ihren Körper gebrauchen würde, solange sie jung war. Wenn man damit fertig war, schickte man sie weg. Sie war sonst zu nichts zu gebrauchen. Und wenn sie älter wurde, würde man sie nicht mehr sehen wollen, dann wollte man sie auch nicht mehr im Bett haben. Aber das war nicht ihre größte Sorge, dann würde sie wieder Altwaren sammeln, das war das Einzige, was sie konnte, was aber zum Überleben reichte.

Ihre größte Sorge war eine ganz andere. Die sagte sie ihrer Puppe, als sie sich zum Schlafen unter die Theke der Bar legte, weil sie keinen anderen Schlafplatz hatte. Unhörbar bewegte sie ihre Lippen, als sie der Puppe sagte: „Bitte, bitte, verlaß’ Du mich nicht auch noch. Ich hab’ Dich die ganzen Jahre behütet und war immer bei Dir. Bitte, bleib’ jetzt bei mir; ich hab’ doch sonst niemand mehr, der mich mag.“

Und die Barmädchen lachten sie aus, stupsten sie mit Füßen an und bespritzten sie mit Wasser, weil ein Mädchen, das nicht schick angezogen ist, mit achtzehn Jahren noch mit so einer vergammelten Puppe schläft und mit ihr auch noch spricht, bestimmt nicht normal ist und sicher nicht in eine Bar paßt.

Leben mit ambulantem Verkauf

11/Dez/2006

– – Zwei Menschen verlassen ihr Dorf und versuchen, ihr Leben in einer Stadt zu meistern. Sie leben miteinander, können sich ernähren und bleiben zusammen, aber sie können nicht zueinander finden  – –

 

    Viele ambulante Händler ziehen mit ihren Waren durch die Straßen. Manche versuchen, ‘dumme Farang’ mit Fantasiepreisen für Uhren, Feuerzeuge, Sonnenbrillen, echtem Schmuck und Silberwaren der Bergvölker, Pornofilmen oder irgendwelche anderen attraktiven Waren, die niemand wirklich braucht, zu betrügen, andere sind mit moderaten Preisen ehrlich und wieder andere bieten Waren an, die fast nur von Thai gekauft werden. Es ist ein hartes Leben.

 

    Suri war das älteste von vier Kindern, fünf Jahre älter, als der älteste ihrer drei Brüder. Die Eltern waren Landarbeiter, gehörten also zur ärmsten und am niedrigsten eingestuften Bevölkerungsschicht, nur knapp über den Farang, die nicht zur thailändischen Gesellschaft gehören und deshalb hinter den Landarbeitern stehen. Aber die Eltern lebten in einem großen Dorf, nahe der Kreisstadt, und hatten hier wie dort eine Fülle verschiedener Gelegenheitsarbeiten zu verrichten, wodurch sie die Familie ernähren konnten.

 

    Es war sehr vorteilhaft, daß Suri älter war, als ihre Geschwister. Wenn die Eltern Arbeit hatten, brachten sie die Brüder zur Großmutter und Suri holte sie von dort ab, wenn sie aus der Schule kam, brachte sie nachhause, bereitete das Essen und kümmerte sich um sie bis zum Eintreffen der Eltern, die erst am späten Abend kamen, müde waren und nach einem von Suri bereiteten Abendessen und einer kurzen Unterhaltung schlafen gingen.

 

    Suri besuchte im Dorf vier Jahre lang die Grundschule, wie es der damaligen Schulpflicht entsprach, und wurde im Alter von zehn Jahren entlassen. Gerade rechtzeitig, meinten die Eltern, um sich jetzt voll um die Versorgung und Erziehung ihrer drei Brüder zu kümmern, während sie Strohhüte flocht, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Wenn die Eltern nicht außer Haus waren, um durch irgendwelche Arbeiten für ein Einkommen zu sorgen, dann flochten auch sie diese Hüte. Doch es wäre unmöglich gewesen, nur vom Flechten dieser Hüte zu leben und so freuten sie sich über jede andere Arbeit und waren nicht oft zuhause.

 

    Möglich war die häufige Gelegenheitsarbeit der Eltern durch ein altes Motorrad aus den Zeiten der japanischen Besatzung, das der Vater besaß und die Eltern zu den Arbeitsstellen brachte. Das Fahrzeug war der Segen und auch der Fluch der Familie. Als sie einmal nach einer besonders lange währenden Arbeit in der Dunkelheit nachhause fuhren, mußte der Vater einem Lastwagen ausweichen, der zu schnell um eine Kurve fuhr und das Motorrad von der Straße drängte. Dabei mußte der Vater über eine Bodenwelle fahren. Sie stürzten, doch der Lastwagen fuhr weiter. Der Vater hatte viele Schürfwunden und ein gebrochenes Bein, doch die Mutter fiel mit dem Kopf auf einen Stein und war tot.

 

    Erst mehrere Stunden später wurden die Eltern gefunden. Der Vater konnte zwei Monate lang nicht gehen, keine Arbeit durchführen und war sehr niedergeschlagen. Zu dieser Zeit war Suri noch keine vierzehn Jahre alt, doch sie unternahm alles ihr Mögliche, um den Vater zu versorgen und sich um die Brüder zu kümmern, die schon alle zur Schule gingen. Aber sie konnte natürlich kein Geld verdienen, weshalb der Vater sich so bald wie möglich wieder auf den Weg machte und sich mit seinem Gipsverband abquälte, um arbeiten zu gehen.

 

    Es war kein halbes Jahr später, als der Vater nicht nachhause kam. Suri hatte Angst, denn es war bisher nur einmal geschehen, daß der Vater nicht nachhause gekommen war. Das war an jenem Tag gewesen, als er den Unfall hatte und die Mutter starb. Erst am nächsten Morgen kam ein Polizist und sagte Suri, daß man den Vater auf der Landstraße tot neben seinem zertrümmerten Motorrad gefunden hatte. Er muß von einem Auto überfahren worden sein, dessen Fahrer wohl geflüchtet ist. Deshalb würde auch keine Versicherung für den Schaden aufkommen.

 

    Nun war Suri gerade vierzehn Jahre alt geworden. Sie versuchte Arbeit zu finden, um die Brüder zu ernähren, für die sie sich verantwortlich fühlte. Aber es gab keine Arbeit, bei der sie mehr als fünfhundert Baht im Monat verdienen konnte. Das reichte nicht für Ernährung, Fahrgeld und Schulkosten. Sie sprach mit ihren Brüdern. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie mußten in ein Heim gebracht werden, ein Gedanke, der bei ihnen Entsetzen auslöste, oder Suri mußte versuchen, sie in der Klosterschule unterzubringen. Das war zwar auch nicht ideal, aber weitaus besser, als jedes staatliche Heim. Als Novizen und Klosterschüler hatten sie genug zu essen, sie konnten zur Schule gehen, spielen und lachen, während sie in einem Heim nur eingesperrt waren. Sie ging zum Abt des kleinen Dorfklosters, der sich für sie einsetzte und die Brüder zusammen in einem anderen Kloster unterbrachte, wo sie weiterhin zur Schule gehen konnten.

 

    Selbstverständlich konnte der Abt Suri nirgends unterbringen, denn sie war weiblich. Zwar ist es ein Gebot des Buddhismus, Gutes zu tun, doch gleichzeitig gelten Frauen als minderwertig und es ist den Mönchen strengstens verboten, eine Frau oder ein Mädchen zu berühren oder gar in die Klosterschule aufzunehmen. Das ist wichtiger, als Gutes zu tun und einem Menschen zum Leben zu verhelfen. Deshalb läßt man in den Klöstern die Jungen getrennt aufwachsen, damit sie sich später in einer gemischten Welt problemlos zurechtfinden können.

 

    Doch Suri konnte sich gar nicht zurechtfinden. Niemand konnte ein vierzehnjähriges Mädchen brauchen, auch nicht, wenn es arbeiten wollte und nur etwas zu essen brauchte, aber solch ein Mädchen brachte ja keine Gewinne ein. Suri hatte nichts mehr zu essen und sie wußte nicht mehr weiter. Da erschien ihr Kriangsak als rettender Engel. Er war in diesem Dorf geboren, mußte aber wie schon viele junge Leute vor ihm in die Stadt ziehen, um Arbeit und Unterhalt zu suchen. Kriangsak sprach mit Suri, gestand ihr seine heimliche Liebe und zeigte ein unheimliches Selbstvertrauen. Er erklärte, daß sie ohnehin das Dorf verlassen muß, weil sie hier keine Überlebensmöglichkeit hat und forderte sie auf, mit ihm zusammen in die Stadt zu ziehen. Er wüßte zwar auch nicht, was er dort tun kann, aber er sei sicher, daß er überlebt und daß er zumindest für ihr Essen, eine gute Wohnung und eine gemeinsame Zukunft sorgen kann, auch wenn er vielleicht in der ersten Zeit noch nicht viel verdienen mag.

 

    Es gab nicht viel, was Suri sich überlegen mußte und ganz bestimmt nicht, ob sie den Kriangsak liebt. Sie kannte keinen Menschen und sie hatte schon alle Leute im Dorf gefragt, ob sie ihr helfen könnten. Es gab in ihrem Dorf keine Überlebensmöglichkeit für sie, sie mußte das Dorf verlassen und Arbeit suchen, aber sie war völlig hilflos, besaß nicht einen Baht und hatte noch niemals eine Stadt gesehen. Nein, sie liebte Kriangsak nicht. Aber sie liebte es, zu überleben und so liebte sie Kriangsak, denn er war ihre einzige Hoffnung. Im Verhältnis zu ihr war er ausgesprochen reich; er hatte etwas zu essen und er hatte genug Geld, um mit ihr in die Stadt fahren zu können. Ohne ihn konnte sie noch nicht einmal das Dorf verlassen.

 

    Außerdem war er schon viel älter, er war 24 Jahre alt und hatte damit schon viel mehr Lebenserfahrung, als sie. Daß er noch keine Frau gefunden hatte, lag nicht so sehr an ihm, als vielmehr daran, daß er nichts besaß, woran die Eltern eines Dorfmädchens interessiert sein könnten. Aber Suri hatte noch viel weniger. Sie hielt ihn nun für ihren großen Beschützer und er überzeugte sie in den nächsten zwei Tagen, daß sie sich erst lieben müssen, damit sie einen Grund haben, zusammenzubleiben. Da Suri sich schon gedacht hatte, daß er sie nicht wegen ihres Geldes liebt, fand sie, daß ihr gar nichts übrig bleibt, als ihn zu lieben und zu hoffen, daß er sie am Leben erhält.

 

    Am nächsten Morgen fuhren sie mit dem ersten Bus nach Bangkok. Jeder hatte eine Tragetasche mit Kleidung und einigen wenigen persönlichen Gegenständen. Es gab nicht viel, was sie mitnehmen konnten. Suri hatte nur wenig Kleidung, deshalb hatte sie auch einen Kochtopf mit zwei Plastiktellern und einige Küchenutensilien mitgenommen, denn sie mußte bestimmt für Kriangsak kochen, wenn sie auch noch nicht wußte, wo sie das tun konnte. Aber diese Sachen brauchten sie dann wenigstens nicht zu kaufen, wenn sie irgendwo einen Raum finden konnten, der einen Herd hatte, oder wo sie vielleicht vor der Tür ein kleines Feuer entzünden konnten.

 

    Sie kamen am späten Vormittag in Bangkok an und machten sich sofort auf die Suche nach Arbeit und Unterkunft. Doch hier drängten sich endlos scheinende Menschenmassen über Straßen und durch Märkte, daß es schwer war, sich einen Weg zu bahnen. Suri fühlte sich völlig verloren und fürchtete sich, Kriangsak aus den Augen zu verlieren. Sie begriff, daß sie jetzt auf ihn angewiesen war, er war ihre einzige Hoffnung, sie könnte hier nicht ohne ihn leben, deshalb hielt sie sich beim Gehen im Gedränge öfter voller Angst an seiner Jacke fest und bemühte sich, dicht an seiner Seite zu bleiben. Kriangsak blieb hin und wieder stehen und sagte ihr, sie sollte einen Augenblick warten. Dann ging er in einen Laden, eine Werkstatt oder in irgend eine Firma und fragte nach Arbeit, aber er hatte sich das wohl auch leichter vorgestellt. Überall sagte man ihm, daß es keine Arbeit gibt und daß Arbeitslose unentwegt durch Bangkok laufen, um irgend eine Arbeit zu finden, daß aber nur ausgebildete Leute irgendeine Tätigkeit finden könnten.

 

    Sie waren sechs Stunden durch die Straßen gelaufen, Suri taten die Füße weh, sie war müde und zerschlagen, aber sie wagte nicht, etwas zu sagen, weil sie fürchtete, für Kriangsak eine Behinderung zu bedeuten. Schließlich hielten sie an einem Essensstand und aßen eine Schale Reis. Kriangsak wirkte sehr entmutigt, versuchte aber, zuversichtlich auszusehen. Er erklärte Suri, daß sie erst eine Arbeitsstelle finden müssen, bevor sie für eine Unterkunft Geld ausgeben, denn es konnte leicht sein, daß sie dann eine Arbeitsstelle finden, die zu weit von der Unterkunft entfernt ist und kein Vermieter würde ihnen dann das Geld zurückgeben. Eine Unterkunft für einen einzigen Tag wäre aber viel zu teuer und würde ihnen auch nicht viel helfen.

 

    Kriangsak fragte die Frau, die ihnen den Reis brachte und er fragte noch viele Leute, ob sie Arbeit hätten oder etwas über eine Arbeitsstelle wüßten, aber es fand sich kein Lichtblick. Vielmehr erfuhr er dabei, daß seine ‘Schwester’ in Bangkok auf gar keinen Fall Arbeit findet, weil sie zu jung ist, noch nicht arbeiten darf und niemand sie einstellen darf. Das war ein harter Schlag, denn im Dorf hätte das gar keine Rolle gespielt, da hatte sie auch früher schon öfter bei Bauern bei der Aussaat oder der Ernte mitgeholfen. Suri fürchtete, daß Kriangsak sich nun von ihr trennen wird.

 

    Die Abendstunden verbrachten sie ermüdet mit einem schweigenden Gang durch leere Straßen, auf der Suche nach Anschlägen mit Arbeitsangeboten und durch Vergnügungsviertel, in denen sie hofften, auf neue Ideen zu kommen. Sie machten dabei gar nicht den Eindruck eines verliebten Pärchens. Je später es wurde, desto mehr machten sich die Ermüdung und ihre Hoffnungslosigkeit bemerkbar. Doch dann sahen sie kleine Mädchen, die wohl erst um die zehn Jahre alt waren und mit Blumengirlanden durch einen Barkomplex gingen und tatsächlich einige Girlanden verkauften. Sie sahen Essensstände, die für sie viel zu teuer waren, aber sie sahen auch eine Frau, die mit zwei Körben an einem Tragstock gekochte Eier verkaufte, einen Jungen, der mit einem Handkarren einen kleinen Holzkohleofen, Töpfe und Geschirr transportierte. Er bot Hühnersuppe und Nudeln an. Auch er fand einige Käufer. Eine junge Frau ging mit Mango durch die Bars, die sie zu Scheiben aufhackte und mit einem Gemisch aus Salz oder Zucker und Chili anbot. Diese Leute fanden ihre Kunden nur bei den Barmädchen und einigen Passanten, sie nahmen wohl nicht viel ein, aber sie verdienten Geld.

 

    Sie waren der Erschöpfung nahe, als sie einen Schlafplatz im Gebüsch am Ufer eines Klongs fanden. Kriangsak meinte, wenn sie keine Arbeitsstelle finden, könnten sie versuchen, irgendwelche Eßwaren an die Mädchen in den Bars zu verkaufen. Als er Suri fragte, welche Sachen sie glaubte, tragen und verkaufen zu können, merkte er, daß sie schon schlief. Er grübelte noch etwas, und als er zu keinem Ergebnis kam, legte auch er sich zurecht.

 

    Am nächsten Morgen gingen sie durch die Stadt und suchten irgendeine Anstellung. Es gab aber keine Arbeit für ungelernte Kräfte und schon gar nicht für Suri. Nach einem Teller Reis, den sie zu Mittag aßen, versuchten sie, mit Barmädchen und ambulanten Verkäufern ins Gespräch zu kommen. Dabei hörten sie, daß es keine Arbeit gibt, daß sie für ambulanten Verkauf eine Lizenz brauchen oder hohe Schmiergelder zahlen müssen. Die Polizei sei hier sehr scharf. In Pattaya sei es leichter, ohne Lizenz zu verkaufen, wenn sie nicht gerade einen großen Stand oder eine Fliegende Küche betreiben. Die Polizisten haben dort genug Einkünfte durch Farang und Vergnügungsbetriebe, deshalb achteten sie nicht so sehr auf das Kleinvieh. Kriangsak sprach mit Suni über ihre Arbeitssituation und es fiel ihm nicht schwer, sie zu überzeugen, daß sie am nächsten Morgen nach Pattaya fahren und dort weiter nach Arbeitsmöglichkeiten suchen oder notfalls selbst irgendetwas an die Barmädchen verkaufen müßten.

 

    Es war Kriangsak und Suri gar nichts anderes übrig geblieben, als Bangkok zu verlassen. Suri würde mit vierzehn Jahren in Bangkok keine Arbeit finden und sie würde nichts tun können, als irgendwo zu warten, bis Kriangsak von der Arbeit kommt, wenn er welche findet. Sie könnte ihm nicht helfen und er müßte den Lebensunterhalt alleine verdienen. Sie konnte aber auch nicht vier Jahre lang alleine sein. Nun hofften sie auf bessere Möglichkeiten im Rahmen des bunten Tourismus von Pattaya.

 

    Sie kamen am späten Vormittag an und gingen durch die Straßen. Hier fanden sie nur wenige Arbeitsangebote, zumeist von Hotels für ausgebildetes oder fremdsprachiges Personal. Nach ihren Erfahrungen in Bangkok ruhten sie sich nach einer Nudelsuppe am späten Nachmittag am Strand aus. Sie mußten sich bei ambulanten Verkäufern und an den Bars erkundigen, um zu wissen, was sie hier anbieten und verkaufen konnten, und sie mußten eine billige Unterkunft finden, denn es war viel zu gefährlich, hier im Freien zu übernachten. Es konnte zu leicht geschehen, daß sie von der Polizei gesehen wurden. Bei einer Überprüfung ihrer Personalien würde Suri wahrscheinlich sofort in ein Heim gebracht. So fragten sie am späten Abend an vielen Bars und sprachen mit einer Reihe von Leuten, die verschiedene Sachen an den Bars verkauften, unterhielten sich über den Ablauf des ambulanten Verkaufs, die gängigen Preise und die gewünschte Ware.

 

    Von einem Jungen, der Feuerzeuge verkaufte, erhielten sie die Anschrift eines Holzhauses am Rande des Stadtzentrums, in dem ein preiswertes Zimmer frei war. Dieses mußten sie mieten, um ihr Warenangebot zuzubereiten und einen Ausgangspunkt zu haben. Doch an diesem Tag mußten sie noch ihre Verkaufswege auskundschaften. Es wurde ein langer Abend, an dem sie aber viele nützliche Informationen erhielten und Hoffnung auf eine erfolgreiche Arbeit schöpfen konnten. Sie schliefen noch eine Nacht im Freien, weil sie ihr Zimmer erst am nächsten Tag beziehen konnten. So gingen sie noch eine Weile durch die Straßen, nachdem sie sich nach den besten Verkaufsmöglichkeiten und den Geschäftsgegenden erkundigt hatten.

 

    Der nächste Tag brachte die Wende. Am frühen Morgen bezahlten sie die Miete und konnten in ihr ‘Apartment’ einziehen, das sich als komplett möbliert erwies; die letzte Bewohnerin war mit einem Mann nach Norwegen gegangen und hatte ihre Küchenutensilien, eine Lampe, einen kleinen Tisch, zwei Stühle, die Gardinen und eine Schlafmatte dagelassen, was für Kriangsak und Suri eine Erleichterung darstellte, auch wenn die Sachen nicht gerade wertvoll waren, aber sie brauchten jetzt nichts zu kaufen und so erlebten sie ihr erstes Glücksgefühl nach dem Verlassen ihres Dorfes..

 

    Der Tag verging mit Erkundigungen. Sie mußten Ware haben, die nicht viel Arbeit macht, nicht zu schwer zu tragen und im Einkauf preisgünstig ist, meinte Kriangsak, und sie durften nicht viel Geld ausgeben. Nachdem sie den Großmarkt und zwei Fischerhäfen besucht hatten, entschied er sich für Kokosnüsse, weil die billig waren und er sie gut aufhacken und zubereiten konnte, während die Nüsse, die die Leute in den Läden kaufen konnten, erst zuhause gegessen werden konnten.

 

    Suri sollte ‘Chim’ nehmen, eine kleine Art von Garnelen, die im Isan sehr beliebt sind und auf dem Fischmarkt billig zu haben sind. Um fünf Uhr nachmittags zogen sie los und sie waren bis nach Mitternacht unterwegs. Suri war glücklich, denn sie hatten so viel eingenommen, wie sie für den Einkauf neuer Ware und die tägliche Miete brauchten, und zur Ernährung hatte die übriggebliebene Ware gereicht. Sie war aber auch glücklich, weil sie sich in diesen Tagen gegenseitig halfen und trösteten und weil Kriangsak sie nicht weggeschickt hatte, was ihre größte Befürchtung gewesen war. Doch Kriangsak war nicht zufrieden. Er meinte, es sei gut zu wissen, daß sie überleben können, aber es sei besser, wenn sie auch Geld verdienten. Und er meinte nun, es sei besser, nicht etwas zu verkaufen, was keine Arbeit macht und leicht zu tragen ist, sondern etwas, was sich gut verkaufen läßt.

 

    Kriangsak und Suri gewöhnten sich aneinander. Es war die Not, die sie zusammenbrachte und gegenseitige Hilfe und Unterstützung erforderlich machte. Sie wechselten nun öfter die Ware, um auszuprobieren, womit sie am besten verdienten. Sie hatten eine feste Route und gingen zusammen los. Der Verkauf ging besser, als er Krapfen und sie eine Art pikanter Fischfrikadellen verkaufte, aber es blieb nur wenig Gewinn übrig. Sie waren aber zufrieden, weil sie es fast immer schafften, ihre Ware zwischen ein und zwei Uhr nachts verkauft zu haben, weil sie genug zu essen hatten, bei einem sparsamen Leben hin und wieder ein neues Kleidungsstück kaufen konnten und regelmäßig etwas Geld auf ein Sparbuch brachten.

 

    Dieses Leben führten sie zwei Jahre. Es war bei einer Unterhaltung zu Beginn ihres allabendlichen Verkaufes an einer Bar mit mehreren Mädchen, daß sie auf neue Gedanken kamen, denn die Mädchen klagten, daß sie nirgends eine preiswerte tom yam gung, eine Art Garnelensuppe und thailändische Nationalspeise, erhalten konnten, ohne weit wegzugehen, was in der Arbeitszeit nicht möglich war, und sie wollten süße Mango kaufen, bekamen aber nur bittere, weil die billiger waren. Dabei fiel Kriangsak ein, daß er früher einmal in einem Restaurant einige Monate ausgeholfen und tom yam gung bereitet hatte, die als besonders gut bezeichnet worden war. Schon am nächsten Tag bereitete er zuhause tom yam gung und ging mit einem großen Topf auf dem Kopf und einigen Stangen Klebreis zum Verkauf, während Suri eine Tragestange mit zwei Körben voller Mango und einen kleinen Hocker mitschleppte, damit sie die Mangos zubereiten konnte. Es wurde ein voller Erfolg. An manchen Bars wartete man bald schon auf sie, wenn sie kamen. Es dauerte nur etwas mehr als zwei Jahre, bis sie sich einen großen fahrbaren Wagen mit buntem Sonnenschirm für die tom yam gung kaufen konnten und nach weiteren zwei Jahren hatten sie auch genug Geld für einen fahrbaren Obstwagen mit einem großen, mit Eis gespeisten Kühlfach, der schon lange Suris Traum gewesen war.

 

    Da sie gleichzeitig immer noch eine gute Reserve auf der Bank hatten, sollte man annehmen, daß sie nun glücklich und zufrieden waren, doch dem war nicht so. Das lag daran, daß Kriangsak auf den Gedanken gekommen war, zu Suris achtzehntem Geburtstag eine große Feier zu veranstalten.

 

    Der Anlaß war gegeben, denn von nun an brauchte sie nicht mehr Angst zu haben, daß sie nach ihren Personalien gefragt und in ein Heim gebracht wurde. Sie war jetzt volljährig. Zu dem Fest erschienen einige der ambulanten Verkäufer, einige Bewohner und Nachbarn der Baracke, in der sie ein Zimmer hatten, und auch einige Barmädchen. Das Fest war ein voller Erfolg. Es gab Hühnersuppe, tom yam gung und viel Obst, und außerdem gab es ‘lao kao’, den weißen Reisschnaps, und sogar einige Flaschen Mekong, den aus Reis gebrannten ‘Whisky’.

 

    Das Fest war so schön, daß einige Leute, die daran teilgenommen hatten, meinten, sie müßten es jetzt öfter wiederholen und schon in der nächsten Nacht mit zwei Flaschen ‘lao kao’ bei Kriangsak vorbeikamen, um zu feiern. Die Feiern fanden bald öfter und an unterschiedlichen Orten statt. Deshalb hörte Kriangsak immer früher mit dem Verkauf auf. Nach zwei Monaten hatte er sich auf Mitternacht festgelegt, um mit seinen Freunden zu feiern. Wenn Suri um ein oder zwei Uhr nachhause kam, dann war er schon mit seinen Freunden unterwegs, wenn sie nicht gerade bei ihnen vor dem Haus feierten, was immer seltener wurde. Und dann bemerkte sie, daß Kriangsak auch immer weniger Geld auf das gemeinsame Sparbuch einzahlte, oft noch nicht einmal so viel, wie sie ihm von ihrem Gewinn gegeben hatte. Während sie nie Geld für sich einbehalten hatte, gab Kriangsak bald sein ganzes Geld für seine Parties aus und verbrauchte auch noch einen Teil des Geldes, das sie verdiente. Vor einigen Monaten hatten sie schon getrennte Verkaufsrouten vereinbart. Und dann bemerkte sie, daß Kriangsak eine Freundin hat. Er schien sie nicht mehr zu brauchen und liebte sie nicht.

 

    Nun wurde ihr mulmig zumute. Kriangsak hatte immer alles Geld verwaltet und sie hatte nichts. Was sollte sie machen, wenn er sie jetzt verläßt und mit seiner Freundin zusammenzieht? Schon seit einigen Monaten hatten sie sich auseinandergelebt, waren nur noch zusammen, um über irgendetwas Geschäftliches zu sprechen. Sie mußte damit rechnen, daß er irgendwann weggeht und sie alleine läßt. Sie konnte aber nicht alleine leben und war auf ihn angewiesen. Alle Versuche, die frühere Gemeinsamkeit wieder herzustellen, schlugen fehl. Vorsichtige Versuche, mit ihm über die Parties zu sprechen, schlugen fehl. Er meinte, das wäre das einzig Positive in seinem Leben und dafür würde er ja schließlich arbeiten.

 

    Eine Frage nach einer Freundin wies er entrüstet von sich, obwohl schon mehrere Bekannte ihr davon berichteten und sie selbst ihn mit dieser Freundin schon in enger Umarmung gesehen hatte. So erwähnte sie die Freundin nicht mehr, aus Angst, daß es dann leicht zum Streit und zu einem Bruch kommen konnte. Aber sie beschaffte sich zusätzliche Ware, die sie nicht mit ihm abrechnete. Und dann war es ein betrunkener Farang, der sie eines Tages auf den Gedanken brachte, wie sie sich ein zusätzliches Einkommen und damit eine gewisse Sicherheit verschaffen konnte.

 

    Sie hatte an einem Abend schon fast ausverkauft, als ein Farang an ihren Wagen kam und unbedingt mit ihr ins Bett wollte. Nachdem sie ablehnte, bot er ihr zweitausend Baht. Er kaufte den Restbestand an Früchten, die er den Mädchen schenkte, an deren Bar er gesessen hatte. Suri versteckte ihren Wagen und ging mit. Von nun an achtete sie darauf, ob nicht irgendein Farang sie schön findet und ins Hotel mitnehmen will. Da viele Farang eine Frau suchen, die nicht in einer Bar arbeitet, fand sie fast jede Woche einen oder zwei Kunden, die bereit waren, ihr eintausend oder mehr Baht zu bezahlen. So war sie bald finanziell unabhängig.

 

    Kriangsak war unterdessen mit seinem Leben nicht mehr zufrieden und meinte, er kann es ohne die alltäglichen Gelage mit seinen Freunden nicht mehr aushalten. Ihn störte insbesondere, daß er arbeiten gehen mußte, daß er keine große Persönlichkeit war und daß ihn kein Mensch liebte. Er blieb nun öfter ein paar Tage weg, kam dann aber wieder und verkaufte seine Tom Yam Gung. Einmal blieb er eine ganze Woche weg, weil er endlich eine Frau gefunden hatte, die ihn wirklich liebte, aber schon nach wenigen Tagen war er sicher, sich getäuscht zu haben, denn sie wollte von ihm eine Goldkette, ein neues Kleid und ein paar Schuhe haben, außerdem wollte sie nicht, daß er arbeiten geht und sich mit seinen Freunden trifft. Es fiel gar nicht auf, als er wieder bei Suri auftauchte, ohne viele Erklärungen mit ihr weiterlebte und seinen Verkauf wieder aufnahm.

 

    Danach kam er in eine ‘blaue Phase’. Suri sah ihn kaum noch nüchtern. Er verlangte jetzt von ihr, daß sie ihm ihren gesamten Gewinn gibt, weil es ihm so schlecht geht, daß er ohne Alkohol und ohne seine Freunde nicht mehr leben kann. Die sah jedoch, daß ihm der Alkohol gar nicht hilft, gab ihm etwas vom Verkaufsgewinn ab, während sie aber den größten Teil und vor allen Dingen ihre Privateinnahmen zur Bank brachte.

 

    Nun lebten sie schon zehn Jahre zusammen, Suri erinnerte sich oft an die schöne Anfangszeit, wo sie sich gebraucht und geliebt hatten, sie glaubte, daß sie Kriangsak auch heute noch liebt, daß er sie aber nicht liebt, weil sie sich nur noch am Nachmittag sahen, bevor sie arbeiten gingen, weil er jeden Tag betrunken und öfter mit fremden Frauen unterwegs war. So war das Leben während der vergangenen fünf Jahre verlaufen und es sah gar nicht danach aus, als wenn sich daran etwas ändern würde.

 

    Sie konnten kaum miteinander sprechen und gingen sich aus dem Wege, wenn er nicht gerade Geld von ihr verlangte. Suri hatte in diesen fünf Jahren nur gearbeitet, war viel alleine gewesen und hatte viel geweint, weil er sie nicht liebt. Sie hatte viel Geld angehäuft, mit dem sie alleine oder zusammen mit Kriangsak ein Restaurant eröffnen oder irgend etwas anderes unternehmen könnte. Doch das brauchte sie zu ihrer Sicherheit. Ihr war nicht klar, daß sie glaubte, Kriangsak zu brauchen und nicht ohne ihn leben zu können. Sie hatte ihn als Vater angesehen und sie glaubte nicht, daß irgendein anderer Mensch sie mögen oder gar lieben könnte. Die Farang, die sie traf, brauchten ja auch nur ihren Körper, ohne etwas für sie zu empfinden. Nun empfand sie die Verbindung mit Kriangsak genau so. Er brauchte hin und wieder ihren Körper, zeigte aber ansonsten kein Interesse an ihr. Deswegen wollte sie ihn zwingen, mit ihr zu leben und sie zu lieben. Und deswegen entstand oft heftiger Streit.

 

    Kriangsak sah auch, daß niemand ihn liebte, daß es aber am bequemsten war, mit Suri zu leben, was ihn störte. Als er einer Freundin für einhundert Baht eine Brille kaufte, stritten sie sich darüber vier Wochen lang und sie werden sich ihr Leben lang weiter streiten. Sie können nicht mit sich selbst leben, und glauben, den Anderen zu brauchen, um leben zu können. Wie Kinder wollen sie Liebe erhalten, können aber keine geben. Das kommt zu einem großen Teil daher, daß sie kaum jemals Liebe oder Zärtlichkeit erhalten hatten und nun nicht wußten, wie sie sie geben können.

 

    Suri glaubte, Kriangsak zu lieben, doch es war eher das Gefühl, ihn zu brauchen, ihn haben zu wollen und die Angst, verlassen zu werden. Doch ihre Zuneigung zeigte sie nur in Arbeit und Gehorsam. Dadurch erlebten sie aber keine Gemeinsamkeit. Kriangsak sah, daß sie arbeitete, konnte dadurch aber keine Zuneigung erleben. Die Not, die sie früher vereint hatte, fehlte nun. Es gab keine Gespräche mehr miteinander, keine Überlegung, was sie tun könnten, um ihre Situation zu verbessern und auch keine Interesse mehr am Empfinden des Partners. Es fehlte auch das Gefühl der Dankbarkeit. Es war alles selbstverständlich geworden und dadurch gab es keine Freude, keine Hoffnung mehr, sondern nur Erwartungen, was der andere zu tun hatte und daß er sie lieben sollte.

 

    Doch sie konnten und wollten nicht alleine sein. Deshalb wurde es zu einer Gewohnheit, sich zu streiten, denn dabei konnten sie erleben, daß der andere noch Interesse an einer Partnerschaft hatte, seinen Partner noch beachtete. Ihre Gemeinsamkeit bestand nun im Streit über den Mangel an Gemeinsamkeit. Sie verbrachten jeden Tag lange Zeit damit, dem anderen böse zu sein und sich über ihn zu beklagen. Aber damit konnten sie an einen Menschen denken und hatten nicht das Gefühl, alleine zu sein und noch nicht einmal an einen Menschen denken zu können. Zu ihrem Glück wird ihr Unglück noch lange Zeit weitergehen, denn das Ende des Unglücks würde Einsamkeit bedeuten und die konnten sie beide nicht vertragen.

Thailand – Was geht da ab?

11/Dez/2006

Weil es vor einigen Tagen einen Schweizer erwischt hat wegen Königsbeleidigung möchte ich mich auch dazu äußern.

In Thailand ist es generell verboten alles was mit dem Koenighaus zusammenhängt irgendwie zu beschmutzen, zu zerstören oder was immer auch.

Dazu zählt unter anderem:

Mit dem Fuß auf einen Geldschein zu steigen weil dieser heruntergefallen ist oder aus Unachtsamkeit. Die Begründung ist darin zu suchen, dass auf jedem Geldschein der Koenig abgebildet ist und wenn man mit dem Fuß auf einen Geldschein tritt, man eigentlich dem König auf dem Kopf steigt.

Das gleiche gilt für alle Bildnisse, Bilder, Tonträger was immer auch wo der Koenig oder das Könighaus als Bild, oder sonst wie verewigt ist.

Als Strafe stehen darauf bis zu 15 Jahre Haft – auch für Ausländer.

Auch die thailändische Landeshymne unterliegt diesem Gesetz und sollte nicht unbedacht von irgendeinem Nicht Thai angestimmt oder Gesungen werden. Wohl legen die Thais aber Wert darauf, das wenn die Hymne um 8 Uhr Morgens und um 18 Uhr Abends abgespielt wird das jeder mit seiner Tätigkeit aufhört, aufsteht und der Landeshymne die Aufmerksamkeit schenkt welche ihr gebührt.

Thailand – die Eindruecke vertiefen sich

07/Dez/2006

Wieder ging einige Zeit ins Land, aber es ist nicht aller Tage Abend, hier kommt die Vortsetzung aus fernen Landen, aus der Gegend in der, der Pfeffer wächst.

Gerade habe ich einen der großen Käfer hier das Leben gerettet. Der steckte in seiner Doofheit den ganzen Tag im Gitter des Abflusses fest. In der Regel kommen die Viecher da aber durch, der aber nicht. Den Kopf herausziehen wollte er auch nicht. Also habe ich den Deckel abgeschraubt und ihm dann etwas Wasser auf die Nase geträufelt. Dann konnte er auch plötzlich rückwärts seinen Kopf herausziehen. Also, er wollte nur mit dem Kopf durch die Wand. Jetzt sitzt er im Bad und erholt sich.

Vielleicht sollte das Ereignis auch uns Menschen zum nachdenken anregen. Es bringt nichts wen der Kopf durch die Wand passt, aber der hintere Teil zu dick ist. Der Käfer hat uns gerade gelehrt, das dann das Umkehren und einen anderen Weg suchen doch besser ist.

Aber eigentlich will ich ja wieder etwas aus Bangkok und dem Land außen drum herum – auch Thailand genannt, berichten.
Das was ich jetzt zu beschreiben versuche ist mit nichts aus unserer westlichen Welt zu vergleichen, es gibt hier wirklich bei jedem Haus ein zweites Haus, das Haus der Geister.
Das Geisterhäuschen
Dem Besucher Thailands werden bald vor jedem Haus, das auf hohen Pfählen stehende Geisterhäuschen auffallen. Als das Haus – der Menschen – gebaut wurde, wurde der Erdgeist Chao Thi von seinem angestammten Wohnsitz im Boden vertrieben, als Ersatz dafür bekommt er ein eigenes Haus gebaut, meist hat es die Größe eines Puppenhauses. Die Menschen glauben, daß jedes Stück Land von einem Geist bewohnt wird. Will man also auf einem Grundstück ein neues Haus bauen, so ist es erforderlich, dem aus dem Boden des Bauplatzes vertriebenen Erdgeist ein neues Domizil anzubieten, damit er nicht mit den Menschen zusammen in dem neuen Haus wohnen muß. In den meisten Fällen wird gleich daneben noch ein kleineres Häuschen für den Luftgeist Chao Phum gebaut. Bevor aber ein Geisterhäuschen aufgestellt wird muss zuerst ein Mönch einen günstigen Platz dafür heraus finden. Dabei gibt es natürlich ein paar Regeln. So darf der Schatten des neuen Hauses auf keinen Fall auf das neue Geisterhaus fallen. Wenn diese Regeln nicht beachtet werden, kann es sein, das die Geister nicht geneigt sind, ihr neues Zuhause zu beziehen, und das kann dann böse Folgen für die Hausbewohner haben.
Damit die Geister eine „gute“ Aussicht haben, bzw. die menschlichen Bewohner sie immer in Augenhöhe haben, stehen die Geisterhäuschen auf einer Säule aus Holz oder Beton, hoch genug um Respekt auszudrücken, aber auch niedrig genug das auch die Opfergaben überreicht werden können. Sind die Häuschen zu tief angebracht, werden die Geister beleidigt was wiederum nicht gut für das wohl der menschlichen Bewohner ist.
Selbst die Form der Häuser ist geregelt. Aber da kommt der praktische Thai wieder zum Vorschein, die Geister beschweren sich anscheinend nicht darüber, wenn alle Häuser gleich aussehen, also werden sie in Beton gegossen und im Baustoffhandel um die Ecke verkauft.
Auf der Plattform der Geisterhäuschen stehen kleine Ton- oder Holzfiguren wie Tänzerinnen, Elefanten oder Pferde. Oft sind diese Geisterhäuschen sogar eine regelrechte eingerichtet, um den Geistern das Wohnen angenehm zu machen. Einmal in der Woche, und vor allem zu festlichen Gelegenheiten werden kleine Schälchen mit Essen und Trinken dazu gestellt, damit es den guten Geistern auch an nichts mangelt. Auch Coca-Cola oder ein Gläschen Mekhong wird wohl mal angeboten (mit Strohhalm bitte, damit der Geist auch trinken kann).
Manchmal – vor allem wenn sie direkt an der Straße stehen – sind die Häuschen auch mit bunten Lichterketten geschmückt, die bei Dunkelheit aufblinken. Für den Farang sehen sie oft wie bunte Vogelhäuschen aus. Auch vor Behörden, Banken, in Parks und sogar vor manchen Bars haben sie ihren festen Platz. Vor manchen großen Hotels oder Einkaufszentren hat man wahre Paläste für die Geister errichtet.
Wenn ein Geisterhäuschen vernachlässigt wird, so wird der Bewohner dafür sorgen, daß das auf dem Grundstück stehendes Haus in den selben Zustand gerät. Wenn er gar sein vernachlässigtes Häuschen verlässt, so kann dies großes Unglück über die Hausbewohner bringen. Diese Geisterhäuser sind übrigens keineswegs ein buddhistischer Brauch, wie die Farangs meistens denken. Sie sind brahmanischen Ursprungs und von den Thais vor vielen Jahren übernommen worden.
Geister sind eben immaterielle Wesen, die den guten Willen für die Tat nehmen, als Zeichen, daß an sie in respektvoller Form gedacht wird. Dementsprechend wäre es auch eine Todsünde, die allerdings von unverständigen Farangs manchmal begangen wird, sich im Vorbeigehen eine frische Banane oder Orange von dem vor dem Geisterhäuschen stehendem Teller zu schnappen. Solch eine schwere Beleidigung der Geister kann böse Strafen, wie Unfälle oder Krankheiten nach sich ziehen, und zwar nicht nur für den Sünder, sondern auch für den Hausbesitzer, der nicht besser aufgepasst hat. Der Farang darf sich also nicht wundern, wenn in solch einem Falle die Thais unverhältnismäßig hart reagieren. Auf der anderen Seite habe ich auch gesehen, wie die Thais in der Frühe die Gaben den Geistern in deren Haus legen und am Nachmittag wieder abholen. So nach dem Motte, Du hast nicht aufgegessen? Dann gehört es mir.
Häufig sieht man solche Geisterhäuschen auch an unfallträchtigen Straßenstellen oder den Orten von Verbrechen, da hier nach dem Glauben der Menschen ein besonders böser Geist sein Unwesen treiben muß. Die Errichtung der Geisterhäuschen an solchen Stellen geschieht dann meist durch Personen, die ein Gelübde erfüllen.
Einige dieser Geisterhäuser haben mittlerweile auch besondere Bedeutung erlangt – so z.B. das Geisterhaus beim Erawan Hotel in Bangkok.
Beim Bau des Hotels gab es ungewöhnlich viele Unfälle. Nach Befragung der dafür zuständigen Experten, in erster Näherung Mönche, kam man zu dem Schluß, daß die Ortsgeister verstimmt seien, weil man auf dem Grundstück einige Bäume gefällt hatte, auf denen diese normalerweise geruht hatten. Um sie wieder zu besänftigen, war es also erforderlich, so schnell als möglich einen großräumigen Schrein für sie zu bauen, wonach die Arbeiten ohne weitere Probleme zu Ende gebracht werden. Der damals errichtete Brahma-Schrein, der ursprünglich aufgestellt wurde, um Unglück von der Baustelle fernzuhalten, wird heute aber wegen seiner vielen Wunder täglich von Tausenden von Menschen besucht, und ist zu einem regelrechten Wallfahrtsort geworden. Das Hotelmanagement mußte um den Schrein herum einen besonderen Tempelhof errichten, um Platz für die vielen Bittsteller zu schaffen. Die Besucher erhoffen sich Glück in den alltäglichen Dingen des Lebens, wenn sie hier ein Opfer darbringen. So werden an diesem Ort regelmäßig große Mengen Blumengebinde und kleine Holzelefanten niedergelegt, die laufend wieder beseitigt werden müssen, um der wahren Flut der Opfergaben Herr zu werden. Eine Truppe von einem Dutzend Tempeltänzerinnen in traditionellen Kostümen steht darüber hinaus für die bereit, die den hier wohnenden Geist durch eine dargebrachte Tanzdarbietung günstig stimmen wollen.
Der Erawan Schrein hat noch eine andere Berühmtheit erlangt. Man sagt ihm nach das derjenige der in seinem Blickfeld ein Los kauft auch gewinnen wird. Es muss wirklich einige Gewinner geben. Den fast immer nach einer Ziehung, wird ein kleines Fest gefeiert. Wer aber am meisten dabei verdienen wird, sind die Losverkäufer und die Blumengirlandenbinder.

Die Bewohner Thailands
Mir stellte sich so im Laufe der Zeit die Frage, „Gibt es in Thailand Rassismus und Nationalismus?“  Vor allem deshalb da ja im Jahre 2000 die Partei „Thai Lieben Thais“ oder „Thai Rak Thai“ gegruendet wurde und bis zum Putsch im September 2006 und Geschicke des Landes lenkten.

Diese Frage mag sich schon mancher gestellt haben, der als in Thailand wohnender Farang sich über die offensichtliche Benachteiligung der Ausländer gegenüber Thais bei allen geschäftlichen und finanziellen Angelegenheiten geärgert hat. Um diese Frage zufriedenstellend zu beantworten zu können, muß man sich zunächst einmal über die unterschiedliche Bedeutung dieser Begriffe in Thailand und Deutschland klar werden.
Rassismus, das heißt die Doktrin von der Überlegenheit der eigenen Rasse, der Notwendigkeit sie rein zu erhalten, und der daraus abgeleiteten Berechtigung, Menschen anderer Rassen zu unterdrücken oder gar zu liquidieren, war eine der Hauptursachen für den Niedergang Deutschlands, und den Verlust an Ansehen in der zivilisierten Welt nach dem letzten Krieg. Der Begriff des Rassismus ist für uns Deutsche daher absolut negativ belastet, und nur ein paar verrückte Neonazis würden sich heute noch dazu bekennen.
Rassismus existierte allerdings nicht nur in der pervertierten Form wie in Nazideutschland. Besondere der englische Kolonialismus rechtfertigte sich durch die Ideologie der Minderwertigkeit anderer Völker, und der Überlegenheit der eigenen weißen Rasse. Den Thai hingegen war ein rassisches Gefühl unbekannt, was zum Beispiel die – im Gegensatz zu den anderen Nationen Südostasiens – relativ gute Integration der Chinesen in Thailand zeigt. Die Thai-Könige waren seit Jahrhunderten Herrscher über eine multi-ethnische Bevölkerung. Ein Drittel der Bevölkerung im Nordosten des Landes ist laotischer oder kambodschanischer Abstammung. Im Süden gibt es eine große malaiische Minderheit, und einige hunderttausend Menschen chinesischer Abstammung bestimmen heute fast das ganze Wirtschaftsleben des Landes. Von Unterdrückung oder gar von Benachteiligung dieser Menschen aus rassischen Gründen gibt es keine Spur. Wenn einige Bergstämme im Norden heute Repressionen ausgesetzt sind, dann steckt dahinter nicht ihre Einschätzung als fremdartige oder minderwertige Rasse, sondern die Tatsache, daß sie durch ihre Anwesenheit die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen dort behindern, und deswegen massiven Geschäftsinteressen im Wege sind. Thais sind also eine multi-ethnische und damit auch multi-kulturelle Gesellschaft. Thailand ist damit allerdings kein Schmelztiegel wie die U.S.A., da hier die verschiedenen Völkerschaften mehr oder weniger in geschlossenen Gebieten siedeln, und ihre kulturellen Eigenheiten weitgehend bewahrt haben.
Thais sind also nach deutschen Begriffen bestimmt keine Rassisten. Zwar nahm in einer kurzen Periode der Thai Geschichte, nach der Regierungsübernahme Phibun Songkrams 1938 mit seiner Losung „Thailand den Thai“, der Thai-Nationalismus zeitweise auch rassistische Züge an, unter denen insbesondere die Chinesen zu leiden hatten. Doch Phibuns Ideen, was wahrhaft Thai sei, waren eher primitive Kopien des „fortschrittlichen Westens“, und gingen an der Realität der Traditionen des Landes völlig vorbei. Im Gegensatz zu seinem großen Vorbild aus Deutschland jener Tage ist Phibun mit seinem Versuch, den Thais rassistische Ideen einzupflanzen, kläglich gescheitert.
Etwas anders sieht es mit dem Nationalismus aus. Der deutsche Nationalismus der Hitlerzeit, also das Gefühl anderen Völkern überlegen zu sein, und daraus die Berechtigung abzuleiten, den eigenen Lebensraum auf Kosten der Nachbarvölker auszuweiten, war ebenfalls eine der wesentlichen Ursachen für den Zusammenbruch Deutschlands 1945. Folglich ist auch der Begriff Nationalismus für und Deutsche negativ besetzt.
Für die Thais hat der Begriff Nationalismus aber eine andere Bedeutung. Die Thais haben in jahrhundertelangen Auseinandersetzungen mit den Nachbarvölkern ihre Unabhängigkeit errungen, und sich im 19 Jahrhundert gegen Versuche westlicher Kolonialmächte verteidigen müssen, auch Thailand wie alle umliegenden Nachbarländer zu kolonialisieren. Daß dies gelungen ist, trotz äußerst starken Druckes und zeitweiser Besetzung Ayuthayas und Bangkoks durch französische Truppen, hat aber ein tief sitzendes Mißtrauen gegen alle Fremden, vom Weltwährungsfond bis zum Farang-Touristen zur Folge, das den Farangs oft als eine Form von Xenophobie oder gar Nationalismus erscheinen mag.  Einem Thai wurde es nie in den Sinn kommen, sein Land in einer Völkergemeinschaft aufgehen zu lassen, wie es zur Zeit in Europa geschieht.
Es war vor allem König Rama VI (1910-1925), der mit der politischen Ideologie des Nationalismus den Nationalstolz der Thai zu fördern versuchte. Die Verstärkung des Einheitsbewußtseins der Thai schien ihm ein geeignetes Mittel zu sein, die Souveränität des Landes zu sichern, sowie Anerkennung und Akzeptanz in der internationalen Gemeinschaft zu erleichtern. Der Stärkung des Nationalbewußtseins der Thais wird auch heute offiziell mit allen Mitteln gefördert. Das geht von der täglich mehrmaligen Präsenz des Königs als Nationalsymbol im Fernsehen, dem täglichen Abspielen der Nationalhymne im Fernsehen und Radio (nicht verschämt zum Programmende nach Mitternacht wie bei deutschen Sendern, sondern morgens um 8 und abends um 18 Uhr), bis zur täglichen Flaggenparade mit Absingen der Nationalhymne an allen Schulen. Thais haben also einen ausgeprägten Nationalstolz, wenn es auch viele Dinge in Thailand gibt, die durchaus keinen Anlaß geben, darüber stolz zu sein, wie z. B. die Korruption, die Prostitution, die hohe Rate an Gewaltverbrechen und vor allem die desolate wirtschaftliche Situation des Landes. Thais sehen aber diese Probleme mit ihren Augen, und legen hier grundsätzlich nicht Farang-Maßstäbe an. Die Korruption war seit jeher in Thailand eher eine Institution als ein Übel. Man hält es für selbstverständlich, daß man einem Staatsdiener, der einem bei einer Angelegenheit behilflich ist, eine gewisse Summe dafür zahlt. Auch die Prostitution wird mit anderen Augen gesehen. Für Thais ist an der Prostitution solange nichts schlecht, solange sie Geld und damit finanzielle Kompensation für einen eventuellen Gesichtsverlust bringt. Und an der derzeitigen desolaten wirtschaftlichen Lage sind nicht die eigenen unfähigen Politiker, und die nur an ihrem kurzfristigen Profit interessierten Banker, sondern der Weltwährungsfond schuld, der seine Hilfe für das finanziell angeschlagene Land mit harten Auflagen verknüpft hat.
Thais leiten aus ihrem Nationalstolz zwar nicht die Berechtigung ab, die Angehörigen fremder Völker zu unterdrücken, wohl aber sie mit lächelndem Gesicht auszunehmen, was jeder Farang im Lande am eigenen Leibe täglich erleben kann.
Anscheinend gibt es drei, wenn nicht sogar mehr, Ebenen auf denen ein Thai einen Ausländer gegenübertritt. Ich spreche hier immer von Thais und meine damit auch die Thai Chinesen, den diese sind in dieser Beziehung nicht besser, sondern eher noch schlimmer.

Ebene I
Die erste Ebene, den Touristen wohl bekannt, den denen gilt diese Einstellung. Der Thai rückt den Ausländern dieser Gruppe überhöflich und freundlich zu Leibe. Das zu Leibe rücken ist meist auch wörtlich zu nehmen, zuminderst soweit es das gleiche Geschlecht ist, wird da richtig angefasst und an der Hand genommen und festgehalten. Er sieht den Touristen als willkommene Geldquelle und er hat das gleiche Empfinden dafür, wie die meisten von uns für unsere Brieftasche. Da er seine eigene füllen will, wird er jeden Touristen über das Ohr hauen versuchen und dabei auch noch ein gutes gewissen haben, denn er hat wieder einen „Farang“ – den sowie so keiner mag – für dumm verkauft. Diese Haltung besteht leider bis hinauf in die höchsten Regierungskreise. Es ist daran zu erkennen, das die Weltbank und die restliche Welt daran schuld ist das Thailand 1997 einen wirtschaftlichen Zusammenbruch hatte. Denn hätte die Weltbank und die anderen Staaten, Thailand die erforderlichen 5 bis 8 Milliarden US$ ohne zu fragen gegeben, währe alles beim alten geblieben. Es hätten keine Banken Konkurs gemacht und die Zürich Versicherung hätte nicht für einen Baht die zweitgrößte thailändische Versicherung kaufen können. Man kann also sehen das der Ausländer an allem die Schuld hat. Das der Thai jahrzehnte lang Kredite an jeden gegeben hat, egal ob Sicherheiten da sind oder nicht, interessiert keinen Thai. Im Moment kämpfen die Banken immer noch mit über 37% ungedeckten und nicht eintreibbaren Krediten. Es waren bis vor kurzen noch über 50% aber der Staat hat da flugs einen Sonderfond eröffnet und diese Kredite teilweise als Bürge übernommen. Jetzt sieht zwar alles besser aus, aber besser ist es deshalb nicht, nur jetzt zahlt der Staat die Schulden.
Aber zurück zu den Thais und den Touristen, wenn man das vorhin geschriebene mit einbezieht, dann sieht man das die Einstellung dem normalen Ausländer nicht die beste ist. Also wird jeder Tourist als freilaufende Geldquelle angesehen und freundlich lächelnd über das Ohr gehauen. Wo bei das die Thai auch zugeben. Das über das Ohr hauen ist außerdem eine übliche Verhaltensweise hier. Den, wenn ein Thai aus Bangkok in die Nachtbarprovinz fährt wird er dort genauso über das Ohr gehauen, wie er hier jeden Thai der nicht aus Bangkok ist, über das Ohr haut. Der unterschied ist nur der Betrag. Ein Thai bekommt den doppelten Preis genannt und bezahlt vielleicht 150%. Ein Farang bekommt vom Hause aus den 3 bis 4 fachen  Preis genannt und bezahlt wenn er Glück hat nur den 2 bis 2 ½ fachen Preis. Wenn der Tourist nicht in extra kontrolliertes Geschäft geht besteht sogar die Gefahr, das er nur Tand bekommt. Das macht der Thai nicht mit anderen Thais, den können ihm ja belagen, das Tourist ist aber bald wieder weit weg und damit besteht diese Gefahr nicht. Die thailändischen Behörden kämpfen immer noch – oder in Abhängigkeit von der Bestechung, tun sie nur so – gegen Schmuckhändler, die den ahnungslosen Touristen Glas oder schlechte Steine und falsche Gold verkaufen.
Wenn man auf der Strasse den Thais in den Touristenvierteln in ihrer Sprache zuhört, ohne das sie wissen, das man sie versteht, dann kennen sie nur eines, sich über die Unverschämtheit der Touristen aufzuregen. Die, die Frechheit besitzen in ihr Land zu kommen, alles kaputt zu machen, gegen alle Tabus zu verstoßen und dann auch noch die verlangten Preise nicht zahlen wollen.
Ja, ja liebe Thais, böse ist die Welt…

Ebene II
Die zweite Ebene kann man nur bei längerem Aufenthalt im Lande und gemeinsamer Arbeit und Leben mit den Thais erreichen. Ich bin jetzt nach einem knappen Jahr dabei langsam in die zweite Ebene zu gelangen. Gut Ding braucht weile . In meinem engeren Umkreis wo ich wohne, da kennen mich die Geschäftsleute und die Straßenhändler schon, da zahle ich ohne nachzufragen, die normalen Thaipreise. Man bietet mir freiwillig um bis zu 60% Rabatt an. In anderen Gegenden will man mich immer noch über das Ohr hauen. Auf diesem Level hat man bereits Zugang zu Thais, man kann sich mit ihnen auf einer oberflächigen Art privat unterhalten. Aber man trifft sich nur an öffentlichen Plätzen, wie Büro, Restaurant oder so, niemals aber zu Hause oder mit deren Freunden. Das währe dann ja privat. Mit einigen Thais ist man dann auch schon per du, sprich das Khun fällt weg. Wobei das Du nur im Gespräch untereinander gilt, wenn man diese Person, im beisein nicht befreundeter Personen anspricht, dann wieder mit Sie.
Irgendwie hat man den Eindruck das man sich schämen muss, wenn man sich mit einem Ausländer abgibt. Aber das stimmt nicht ganz, die Thais sind untereinander auch nicht besser. Das Wort Ausländer kann man auch durch „Thai nicht in meinem Umfeld“ ersetzen. Den die Thais verhalten sich untereinander auch nicht anders.

Ebene III
Die Dritte Ebene, die persönliche Beziehung zu einer Gruppe von Thais oder einer – einem Thai ist wohl sehr schwer erreichbar. Vor allem, egal in welcher Ebene man sich schon oder noch befindet, die Thais sehen uns immer noch als ihre eigene Brieftasche an. Aber hat man diesen Punkt erreicht, dann ist es aber noch lange nicht klar ob die Thais zu uns Ausländer halten oder nicht. Ich selbst habe keine Erfahrung mit dieser Ebene, sondern kann nur von Beobachtungen und Gesprächen mit anderen Ausländern berichten.
Dabei habe ich feststellen müssen, das ich bis jetzt erst eine einzige Familie kennen gelernt habe, in der es anscheinend keine größeren kulturellen Probleme gibt. Wobei ich mir nicht einmal da ganz sicher bin. Richtig in die Tiefe wie bei uns, geht wahrscheinlich keine Beziehung richtig. Der Thai mag sich schon seinen eigenen Problemen nicht stellen, warum dann soll er sich mit fremden Problemen beschäftigen. Der Thai Chinese ist da anders, darum ist er auch die Person hier, welche die Geschäfte abwickelt.
Die meisten Beziehungen, die den ersten Liebesrausch und dem Prozess des abzocken überstehen, sind Beziehungen zu Thai Chinesen. Diese sind meist von Haus aus besser gestellt und kommen aus besseren und reicheren Familien und vor allem haben sie auch eine bessere Ausbildung. In meinen Bekanntenkreis gibt es auch fast nur Beziehungen zwischen Ausländer und Thai Chinesen. Alle Leute die darüber befragt geben auch zu das sie früher mit einer Thai zusammen waren, aber das nicht gut gegangen sei. Die Gründe warum die Beziehung in die Brüche ging, sind am Ende alle in etwa die gleichen. In erster Nährung und brutal zusammengefasst kann man sagen das: Entweder man ist der Versorger eines gesamten Dorfes und darauf läuft es nach einiger Zeit drauf hinaus oder man hat Streit mit der Partnerin. Selbst wenn sie sieht wie die finanziellen Verhältnisse stehen glaubt sie das nicht, dann sollen doch die Freunde oder Verwandten in Europa für das fehlende Geld aufkommen. Die Thai Chinesen sind da nur beschränkt besser, aber sie wollen den „Reichtum“ für sich alleine, somit sind sie nicht so „anspruchsvoll“.
Außerdem sind die Thai Chinesen sehr wohl in der Lage mit persönlichen und fremden Problemen umzugehen, daher werden Beziehungen wesentlich stabiler und länger halten als die reinen Thai Beziehungen. Eine Thai wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ihren „geliebten“ Partner verlassen, wenn er weniger Verdient als früher oder gar arbeitslos wird. Eine Thai Chinesin packt dann selber an und wird aktiv um den alten Lebensstandard zu halten.
Um es kurz zusammen zu fassen, früher habe ich mich immer gewundert, warum alle Ausländer in einer Gruppe beisammen sind, obwohl sie teilweise seit langem hier im Lande leben. Heute ist mir das schon klarer. Wenn ich mich persönlich unterhalten will, dann kann ich das nicht mit meiner Frau machen, sondern muss andere Ausländer als Freunde haben, damit ich das kann.

Nachwort

Damit das ganze nicht zu lange wird, möchte ich es hier vorerst einmal abschließen. Wie alle erahnen können, es gibt eine Fortsetzung.

Ich habe hier versucht etwas Licht hinter das verhalten der Thais zu bringen. Das nächste mal werde ich mich wieder mit der Stadt beschäftigen 
Ich hoffe es war trotzdem unterhaltend und hat Spaß gemacht.

Thailand – die ersten Eindruecke

06/Dez/2006

Eine Zusammenfassung fuer den Anfang

Nach dem ich den einem oder den anderem diverse Berichte über das Leben, das Land und die Leute geschickt habe steigt die Nachfrage nach solchen Information bei dem einen und dem anderen an. Jetzt kommt meine Faulheit in’s Spiel. Da ich mal dem einem etwas schicke, dann mal dem anderen, meist sind es unterschiedliche Fragen und Antworten, aber in Summe könnte es auch andere Leser interessieren, habe ich so in meiner kleinen (70 m2) Kammer beschlossen einen, in lockerer Folge einen „News Letter“ herauszugeben. Wenn jemand einen besseren Namen kennt, kein Problem, her damit.
Da dies die erste Ausgabe werden soll und nicht alle Leser auf dem gleichen Stand sind, werde ich erst mal versuchen alle auf dem selben Stand zu bringen. Nein, ich habe nicht vor das Wissen eines jeden auf alle anderen zu übertragen. Ich meine damit die Informationen welche ich schon an andere verschickt habe.

Was war los im Jahr 2000

Das letzte Jahr verging für mich wie im Fluge, warum, dass dürften die meisten wissen, auch was in diesem Jahr alles schiefgelaufen ist. Jedenfalls lebe ich seit 13 Juni 2000 in Bangkok / Thailand. Eines habe ich endlich erreicht, ich friere nicht mehr. Unsere durchschnittliche Außentemperatur beträgt in der Kalten Jahreszeit 31 C (November bis Februar) in der Heißen Jahreszeit 35C (März bis Juli) und 31 C in der Regenzeit. Die Temperatur ist doch richtig ausgeglichen oder? Ein kleiner Hinweis, die Kalte Jahreszeit ist deshalb kalt, weil nachts die Temperatur auf bis zu 20 Grad absinken kann. Für unsere erfrorenen Thais ist das schon lange ein Grund die Winterjacke – Daunen gefüllt – auszupacken (das meine ich ernsthaft so).

Bei der Firmengründung, welche ich ursprünglich in Bangkok begonnen habe gab es zuviel Streit mit den Shareholdern bzw. den Teilhabern. Daher bin ich aus der Firma am 17 Oktober 2000 ausgeschieden und habe kurze Zeit später eine Position im Management bei einer thailändischen Firma erhalten. Die meisten Leser kennen ja sowieso die Vorgeschichte. Soweit die Kurzversion was war mit mir im Jahre 2000 los. Aber eigentlich soll das ja gar nicht das Thema dieser News Letters werden.

Bangkok – Die Stadt der Engel

Trotz des gleichen Namens auf Deutsch hat diese Stadt nichts gemeinsam mit Los Angeles, was ja auch Stadt der Engel bedeutet. Das einzige gemeinsame ist vielleicht die Einwohnerzahl, sie wird offiziell mit 8 Millionen angeben, offiziell heißt es aber auch das die Schätzungen bei ca. 14 Millionen Einwohnern liegen. Bangkok oder Krung Thep wie es in der Landessprache in der Kurzform heißt, hat den längsten Städtenamen der Welt.

กรุงเทพมหานครอมรรัตนโกสินทร์

มหินรายุธยามหาดิลกภพนพรัตนราชธา

นีบูรีรมย์

อุดมราชนิเวศมหาสถานอมร

พิมานอวตารสถิตสักกทัตติยะวิษณุ

กรรมประสิทธ

Great city of angels, supreme repository of divine gems, great unconquerable land, grand and prominent realm, royal and delightful capital city full of nine noble gems, highest royal residence and grand palace, divine shelter and home of the reincarnated spirits.

Ich hoffe die Uebersetzung – Thai => Englisch – ist soweit koorekt.

Was ich noch gelesen haben das Angels meint eigentlich nicht Engel aber ich finde die korrekte Uebersetzung nicht mehr an. 😦

Die Stadt liegt am Fluss der Chao Phraya oder auch Mae Nam (Mutter Wasser) genannt wird. Die Altstadt – sprich China Town und der Königspalast ist in der Nähe oder am Fluss – der Rest ist Großteils Neustadt, da früher an der Stelle nur Felder waren. Ein richtiges Stadtzentrum gibt es nicht, dafür aber viele davon. Auf Anhieb fallen mir etwa 8 Stadtzentren ein. Alle weisen unterschiedliche Charaktere und Bereiche auf. Gemeinsam haben sie nur die Konzentration an Geschäften und Wohnungen. Das Problem ist eine Stadt und deren Einwohner zu beschreiben wenn das die Größte Stadt des Landes ist und die Einwohner im Durchschnitt das 4 bis 6 fache des restlichen Landes verdienen.

In Bangkok ist der Durchschnittsverdienst bei ca. 15000 Baht im Monat. Für eine Euro bekommt man im Moment ca. 50 Baht. Das ganze ist Abhängig von US$ Kurs zum Baht und wiederum vom US$ Kurs zum Euro – viel Spaß also beim Rechnen.

Die Leute im Up-country wie alles außerhalb der Stadt heißt haben ein monatliches Durchschnittseinkommen von ca. 7000 Baht. Die Ausbildung ist genauso unterschiedlich. Wem wundert’s dann wenn viele Leute vom Land in die Stadt kommen und hier feststellen das die Stadt nicht das Paradies ist und so entstehen dann die Slums und man kann es nicht verschweigen, die Frisch Fleisch Zufuhr der großen touristischen Vergnügungsviertel der Stadt. Trotz allem ich will den Versuch wagen und versuchen eine Beschreibung zusammen zustellen.

Die Ausdehnung der Stadt ist von West nach Ost ca. 40 km und von Süd nach Nord ca. 60 km. Eventuell kann man das Ruhrgebiet damit vergleichen aber mit dem Unterschied, daß das ganze eine Stadt ist. Irgendwo habe ich mal gelesen Bangkok ist etwas mehr als doppelt so groß wie ganz Berlin inklusive aller Vororte. Vielleicht kann man sich dann was darunter vorstellen, ich jedenfalls nicht. Was ich mir aber angewöhnt habe, nicht in km, sprich Entfernung zu denken, sondern in Zeit, wie lange brauche ich von Punkt A nach Punkt B, das ist wesendlich besser. Die Stadt selbst liegt im Mittel 50 cm über dem Meeresspiegel. Die höchste Erhebung, wenn man von den Hochhäusern absieht, ist ein künstlich errichteter Berg – Golden Mountain – mit ca. 300 Meter. Auf der anderen Seite liegt der Grundwasserspiegel gerade mal ca. 1 Meter tief. Somit ist fast jeder Tiefbau unmöglich wenn nicht ein enormer Aufwand getrieben wird. Die Häuser haben keine Keller, ausser die Hochhäuser. Der Rest wird durch Pylonen abgefangen. Die Gefahr, das ein Gebäude aufschwimmt ist zu hoch. Es ist auch bei einem Haus mit 27 Stockwerken passiert, damit ist es bei Bauende Abrissreif gewesen. Irgendwas war falsch geplant, die tiefgreifenden Pfeiler haben denn Keller nicht gehalten und er ist in das Erdgeschoss und den ersten Stock eingedrungen. Zu all den Problemen einer so Grossen Stadt kommt dann noch der Wildwuchs der Häuser hinzu. Nicht das es so etwas wie eine Bauaufsichtsbehörde gibt aber was bringen 2 oder 3000 Beamte bei solchen Ansammlungen an Häusern. Vor allem die Slums sind ja alle auf Stadt oder Bahngrund errichtet, selbstverständlich ohne Einverständnis oder doch? Zuminderst diese Frage stelle ich mir oft. Die Gebäude sind kurze Zeit nach der Neubesiedlung fest Holzbauten mit Strom und Wasseranschluss und die Stadt, bzw. Bahn verlangt auch noch Pacht für den Grund. Auf der anderen Seite steht die Baubehörde und meint Abreißen, da dürfen keine Häuser gebaut werden. Wie ich dann herausgefunden habe, wird nach weiteren 5 bis 10 Jahren Behördenstreit der Boden offiziell den Hauseigentümern verkauft oder teilweise, so wie es im Dezember 2000 der Fall war, von Bahn den Bewohnern auf 100 Jahre kostenlos überlassen. Aber erst nach solchen Veröffentlichungen werden auch offiziell Strassen dorthin gebaut. Das vorher schon aus versehen dort Strassen entstanden sind muss reiner Zufall sein.

Früher war Bangkok das Venedig des Fernen Ostens, anstatt Strassen gab es Kanäle und die Häuser waren mit Laufstegen verbunden, heute sind die Kanäle fast alle zugeschüttet oder einfach unter die Strassen verlegt worden. Einen kärglichen Überrest davon findet man noch in Thomburi, das ist auf der anderen Seite des Chao Phraya gelegen. Die Stadt selbst besteht aus einigen großen Stadtbezirken, die alle ihr eigenes Stadtzentrum haben. Ein richtiges Stadtzentrum gibt es aber nicht.

Die Europäer findet man fast alle entlang der Sukhumvit Road an. Da haben sich daher alle Firmen niedergelassen die direkt von diesen leben. In den anderen Bereichen der Stadt leben die westlichen Ausländer nur mehr sehr spärlich verteilt – ich bin einer davon. Das Problem das man in den Ausländerbereichen hat, ist das viele Geschäfte auf Fremdenfang aus sind und in der Regel auch westliche Preise bei asiatischer Qualität haben. In dem Bereich – Phaya Thai – wo ich lebe gibt es sehr wenig Ausländer, hier ist es richtig angenehm, keine lästigen Tuk Tuk Fahrer, keine Straßenverkäufer die einem alle 5 Meter was verkaufen wollen, sondern ganz normale Thai Händler die auch mir noch Skonto und sonst alles mögliche geben. In erster Näherung aber freundlich und unaufdringlich sind. In den „Farang“ Hochburgen wird man schief angesehen wenn man nur 20 Baht Trinkgeld gibt, in den Einheimischen Bereichen, wird man schief angesehen wenn man soviel gibt. So unterschiedlich können die Leute sein. Dafür habe ich das Problem hier wo ich wohne spricht kaum einer Englisch, na ja ich vielleicht etwas Thai, aber sehr sehr „strong“ wie mir immer gesagt wird. Wenn ich das Aussprache hinbekomme stimmt die Stimmlage nicht oder umgekehrt. Aber ich komme vom Thema ab, das war die Stadt. Nun die Stadt ist eine Mixtur aus Hochhäusern und Hochhaus Ruinen sowie Hunderttausende kleiner Häuser in der Bauform von chinesischen Townhouses. Die Hochhausruinen sind die Überreste der Wirtschaftskrise und ob die jemals weitergebaut werden, wissen die Götter. Die Hochhäuser auf der anderen Seite, sind teilweise bis zu 65 Stockwerke hoch. Im Durchschnitt liegen sie aber bei nur 35 Stockwerken. Dazwischen gibt es noch ca. 300 Tempel und Tempelanlagen, Parks und Klongs (Kanäle) und … und … und…

Das Straßennetz in Bangkok

Wer nur das deutsche Straßennetz kennt, wird hier einfach von den Straßenbauten erschlagen. Das Straßennetz ist bei weitem nicht so dicht wie in deutschen Städten, dafür aber mächtiger. Es gibt eigentlich nur 4 Strassen die sich fast geradlinig von Ost nach West erstrecken. Das ist die Rama 4 (die südlichste), Rama 1 / Sukhumvit, Petchaburi / New Petchaburi, Ratchawithi / Rama 9 (die nördlichste). Von Norden nach Süden sieht es auch nicht besser aus, das ist im Westen ist es die Phaya Thai, Radjamri, Asoke (Sukhumvit 21), Ekamai (Sukhumvit 61). Das es noch Hunderte von Strassen und Seitenstrassen (diese nennt man hier Soi) gibt, ist selbstverständlich. Aber diese Strassen sind neben den Stadtautobahnen (Tollway da sie Geldkosten) und den Motorways (kosten nichts) die Hauptverkehrsadern der Stadt. Selbstverständlich gibt es noch große Kanäle und den Chao Phraya River. Da findet man die schnellsten Verkehrsmittel neben dem Sky Train in Bangkok, die Boot-Busse und Expressboot-Busse. Oder wie bezeichnet man einen Bus der als Boot am Wasser fährt? Die oben angeführten Hauptstrassen haben teilweise bis zu 10 Spuren in eine Richtung sprich bis zu 20 Fahrspuren und die meisten dieser Strassen sind noch durch eine Autobahn und einige noch zusätzlich durch einen Motorway überdeckt. Also, das Straßennetz in 3 Etagen, dazwischen gibt es noch Auf- und Abfahrten, Kreuzungen und und und… achja der Skytrain tummelt sich ja auch noch in einer Höhe von 15 bis 20 Meter übe dem Boden, also mitten zwischen den Hochstrassen. Und last but not least ab nächstes Jahr soll sich noch eine U-Bahn dazu gesellen. Bauen tun sie ja schon lange daran, nur ob sie auch zeitlich fertig wird, das steht in den Sternen. Die Japaner (sie sind am Bau beteilig) haben da ja ihre eigne schlechte Erfahrung mit Grundwasser und sollten das ja wohl im Griff haben. Auf der anderen Seite, in Tokio schwimmt der unterirdische Hauptbahnhof immer weiter auf, also so ganz im Griff haben sie das Wasser doch nicht.

Ich bezeichne Bangkok immer als Größten Parkplatz der Welt. Das was wir in Europa als Rush Hour bezeichnen ist hier der Standard. Wenn es hier die Rush Hour einsetzt braucht man im Schnitt für 2 km eine Stunde, es war aber schon schlimmer wurde mir erzählt, da hat man für die gleiche Strecke 3 Stunden gebraucht. Mit anderen Worten, es kann nur besser werden. Ein Taxifahrer hat mir vor kurzem erklärt, das der Begriff „rot tit“ der normale Zustand ist und man sich eigentlich erst über „rot tit mak“ aufregen sollte. Der Leser wird sich jetzt fragen was ist der Unterschied, nun der erste Begriff bedeutet zähfliesender oder stockender Verkehr, der zweite Begriff besagt das der Verkehr steht und sich nicht mehr bewegt. Soweit zur Unterscheidung wenn mal ein Taxifahrer was von rot tit vor sich hin murmelt. Zu gewissen Zeiten verweigern auch Taxifahrer den Auftrag. Aber dazu mehr unter dem Punkt „Taxifahren das letzte Abenteuer“.

Die Strassen Namen

Wie bezeichnet man nun eine Strasse in diesem Land? Das größte Problem für uns Ausländer ist es, das alle Strassen einen Namen haben, nur die Seitenstrassen und deren Seitenstrassen haben keinen Namen sondern Nummern. Die Seitenstrassen können aber teilweise richtige Hauptverkehrsadern sein, wie etwa die Sukhumvit 63, in diesem Falle hat sie aber auch einen Namen nämlich Ekamai, das ist aber nicht die Regel. Ich versuche einmal die Namensgebung von innen – sprich Haus – nach außen – sprich Hauptstrasse – aufzulösen. Da wohnt jemand im Haus mit der Hausnummer 83, in der dritten Nebenstrasse der 10 Nebenstrasse, der 63 Nebenstrasse der Sukhumvit Road. Das schreibt man dann so: 83 Soi 3/10 Sukhumvit 63, Klongtey Wattana, Bangkok 10110. Den Anfang habe ich ja oben schon erklärt. Da aber nicht jeder weis wo gerade die 63te Seitenstrasse ist gibt man noch den Bezirk (Klongtey) und den Unterbezirk (Wattana) an. Diese Soi 63 Sukhumvit ist eine der Ausnahmen, diese ist so groß das sie bereits einen eigenen Namen hat, nämlich Ekamai. Die Sukhumvit ist auf der anderen Seite ein anderes Extrem diese Strasse beginnt in Bangkok und endet in Vietnam. Sie bleibt durchgehend eine Strasse und wechselt auch nicht die Nummerierung. Na viel Spaß beim suchen einer Hausnummer.

Die Einwohner von Thailand

Wirklich, dieses Land hat auch Bewohner und man kann Stunden und tagelang darüber schreiben. Ich werde den Versuch wagen das ganze in wenige Absätze zusammenzufassen.

An alle Thailänder die das lesen, das ist der Eindruck den unsere Mitbürger hinterlassen. Sollte etwas falsch sein, so ist das mein persönlicher Eindruck und meine persönliche Meinung.

Also dann will ich mal loslegen, das die Tasten rauchen… Wo die Thais ursprünglich herkommen wissen sie selber wohl nicht so genau. Im Grossen und ganzen nimmt man an, das sie aus dem Bereich nord-östlich des Himalajas kommen, also aus dem süd-westlichem China von heute. Ihre Sprache kommt teilweise aus dem mongolischen, aber diese Aussage wird nicht von allen Wissenschaftlern geteilt, viele sagen, das es ursprünglich mehrere Sprachen waren, vor allem Sanskrit und Pali, aus denen später eine Hauptsprache wurde.

Das ist vor allem daran erkennbar, das in der Zentralebene Thai mit 5 Tonlagen gesprochen wird, im Süden mit 6 Tonlagen und im Norden sich die Tonlagen wieder verschieben, teilweise dem chinesisch anpassen. Aber so wie die Sprache so auch die Bevölkerung die diese Sprache spricht.

Die Thais sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen von unterschiedlichen Volksstämmen die sich im laufe der Jahrhunderte zu einem Volk zusammengefunden hat. Die Thais selber sind sehr sehr rassistisch und sagen das sie und alle die anderen Völker unterschiedlicher Rasse sind. Wenn ein Volk nicht in ihren Rassendünkel passt dann ist jeder Mensch aus diesem Volk ein Mensch zweiter und dritter Klasse, auch dann wenn er in Thailand geboren ist. Die Thais sehen z.b. die Inder als Rasse unterster Klasse an, dann kommen die Schwarzafrikaner, dann die westlichen Ausländer (Farangs), dann die asiatischen Ausländer und an der Spitze die Thais als die Krönung. Am schlimmsten mit dieser Hierarchie sind die Leute aus dem Norden, die treiben es dann zur Spitze in dem sie auch noch anfangen das Essen der anderen zu verteufeln und zu behaupten ohne ihr Essen können sie nicht leben und alle anderen sind keine Thais weil sie nicht ihr Essen essen, daher sind sie auch krank, was einen echten Thai nie passieren kann… (Einbildung ist ja auch eine Bildung).

Auf der anderen Seite ist der Thai nicht in der Lage Probleme zu bearbeiten, sondern er weicht aus oder er lächelt einfach. Auf diesem Wege verhindern viele Thais persönliche Probleme. Wenn man jemand anlacht schlägt er nicht gleich, in der Regel lacht man zurück und schon ist wieder ein Problem einfacher zu lösen. Als zweites baut man einen Kodex auf, dass das Gesicht einer Person nicht verloren gehen darf. Sprich wenn man eine Aussage trifft und diese ist falsch dann wird einem das nicht gesagt, den man könne ja das Gesicht verlieren und das will keiner, also kann jeder in seiner Meinung weiterleben, das er recht habe und dabei stimmt es gar nicht. Meist wird dann ein Weg in stunden- und tagelangen Gesprächen gefunden, um der betroffenen Person klar zu machen, das sie eigentlich nicht recht hat.

Irgendwann hat mal hier jemand treffend gesagt, für das was die Thais 10 Seiten brauchen braucht ein Europäer gerade mal 2 Absätze. Leider hat er recht, wenn der Inhalt einer Tageszeitung oder eines Berichtes auf deutsch zusammengefasst wird, bleibt wirklich nicht mehr übrig. Auf der andren Seite sind sie ohne strenge Auflagen und Wegweiser fast nicht überlebensfähig. Ob das jetzt aus ihrem Erziehungssystem kommt oder nicht sei dahingestellt, ich behaupte mal, ja, vieles wird in der Schule hier falsch gemacht und sogar die Thais kommen langsam dahinter.

Die beiden größten Bevölkerungsgruppen in Thailand sind die Thais und die Thai-Chinesen. Ich möchte jetzt die nächsten Sätze etwas zynisch schreiben, man habe also Nachsicht mit mir; Die Thais braucht man, da ja irgend jemand arbeiten muss. Die Chinesen sind für die Geschäfte zuständig, der Thai ist meist der Arbeiter der Gesellschaft. Beiden gemeinsam ist, das sie nie richtig erwachsen werden. Das unterscheidet auch die Thai-Chinesen von den „echten“ Chinesen.

Wer von den beiden die Bürokratie erfunden hat habe ich noch nicht herausfinden können, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
So lange genug über das „arme Volk“ hergezogen, es gibt auch viele gute Seiten der Thais. Sie sind sehr ehrlich und sagen normalerweise auch immer die Wahrheit, wenn man sie fragt. Diese Aussage kann direkt oder indirekt sein, das hängt ganz davon ab um was es sich handelt.

Ein kleines Beispiel gefällig? Ja, Ok, hier kommt es: Bei uns in der Firma ist der Koordinator ein junger Deutscher mit viel Elan – er bekommt aber nach 2 Monaten schon mit 23 die ersten Grauen Haare. Er fragt irgendwann einen unsere Techniker, der nur am telefonieren ist, mit wem er da telefoniere, der meint darauf mit Freunden und pappelt weiter. Unser Koordinator meint das geht so nicht und er soll seine Arbeit machen aber nicht telefonieren. Nach 1½ Wochen wurde dem Herren das Telefon für abgehende Anrufe gesperrt. Jetzt beschwert er sich, daß das Management gemein sei und sonst noch alles mögliche, weil er nicht mehr Telefonieren darf. Er hat immer die Wahrheit gesagt. Beispiele dieser Art gibt es noch Hunderte. Also, der Thai schadet sich in seiner Ehrlichkeit lieber selber, als das er lügen würde. Ob das was er macht, richtig oder falsch ist hat damit ja nichts zu tun. Der Thai-Chinese sei aus dieser Regelung bitte ausgenommen, diese Leute haben dazu ein anderes Verhältnis. Die Thais selber aber, da sie keinen Streit wollen werden diesem immer ausweichen und sind daher sehr sanftmütig und leiden eher. Wobei sie dabei aber auch gerne Ersatz für ihre Wut suchen, dazu aber später mehr.

Post Scriptum

Soweit die erste Ausgabe. Eigentlich sollte sie schon lange fertig sein, aber da kam teilweise die Arbeit, zum Teil auch mein innerer Schweinehund – die Faulheit – dazu. Was mich aber am meisten aufgehalten hat war die Formulierung über die Thais. Ich weis nach wie vor nicht ob es richtig verstanden wird. Ich habe nichts gegen die Leute aber diese Leute haben etwas gegen alle Ausländer und das erhöht die Spannung aber auch die Kluft zwischen den Völkern und es erleichtert nicht das Zusammenleben.
Aber vielleicht kann ich in Zukunft bessere Geschichten darüber berichten.

Ich danke für die Aufmerksamkeit und verbleibe für heute

The Cat Man

Hallo Liebe Leser

06/Dez/2006

Ich glaube das vorstellen erspare ich mir, da meine Person im laufe der Zeit immer mehr transparenter werden wird.

Am Anfang zur Einleitung, ich werde erst mal die letzten 6 Jahre aufarbeiten, wobei ich denke dass dies allein schon interessant genug werden wird.

Kurz zusammengefasst, wir beginnen in Thailand im Jahre 2000 und enden irgendwann in der Jetztzeit.

Viel Spaß dabei wünscht

The Cat Man


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